Eisenstadt. 29 Jahre lang fanden die Haydntage jeden Spätsommer im Burgenland statt. Heuer werden sie pausieren - und die Zukunft ist ungewiss. Intendant Walter Reicher bestätigt dies auf Anfrage der "Wiener Zeitung". Die Landesregierung, bisher Unterstützer der Konzertreihe, sei auf Distanz gegangen. Helmut Bieler, Kulturlandesrat bis Dezember 2017, habe keinen Subventionsbeschluss mehr für die Zukunft getroffen, Nachfolger Hans Peter Doskozil (beide SPÖ) auch nichts entschieden. Reicher, Intendant seit 1988 und bis 2020 unter Vertrag, habe die heurige Ausgabe darum ausfallen lassen. An sich steht das Festival den Subventionstöpfen denkbar nah: Betreiber ist der Verein Burgenländische Haydnfestspiele, gegründet von der Stadt Eisenstadt und Land Burgenland.

Hintergrund: Friedensschluss

Grund für die Not ist seltsamerweise ein Friedensschluss. Das Burgenland hat seinen zählebigen Streit mit den Esterházy Betrieben heuer beigelegt. Der Zwist hatte auch die Haydntage erfasst. Das Festival bespielte jahrelang Schloss Esterházy, die zentrale Wirkungsstätte von Joseph Haydn. Die Esterházy Betriebe, Eigner des Baus, schmissen das Festival aber hinaus und gründeten hier 2017 ihre eigene Konzertreihe Herbstgold. Die Politik wollte nicht klein beigeben und unterstützte weiterhin unverdrossen ihr Festival, das auf diverse Spielorte auswich.

Dieser Stellvertreterkrieg ist nun obsolet. Und: Für Landesrat Doskozil ist auch das Festhalten am bisherigen Festivalpartner kein Dogma mehr. Die Haydn-Pflege könne auch durch "Herbstgold" stattfinden, ließ er heuer durchblicken. Die Haydntage könnten damit gezählt sein. Herbstgold, das Festival für Klassik, Kulinarik, Jazz und Balkansound, findet heuer von 5. bis 16. September statt, Motto ist "Krieg und Frieden".