Das große Interesse an der heurigen Sonderschau von Museumsplaner Franz Stürmer und dem Leiter, Kunsthistoriker Friedrich Polleroß, kommt nicht von ungefähr. Den beiden gelang mit Hilfe der EVN, aber auch der Bewohner in der Umgebung ein interessantes historisches Konzept.

"50 Jahre Kamp(stau) seen. Geschichte einer Landschaft" ist in mehreren Punkten anschauliche Rekonstruktion der damals schwierigen Verhältnisse im russisch besetzten Waldviertel.

Mit einer Zeittafel, die Fotos aller Politiker und der beteiligten Firmenchefs zu den Bauphasen ordnet, wie mit Originalfotos der Baustellen, klärt sich die komplizierte Ausgangslage. Der Technikbegeisterung, Innovation und völlig neuen Landschaftsgestaltung für den Tourismus der 50er- und 60er-Jahre, schließt sich auch die starke Ökologiebewegung der 80er-Jahre an, die einen weiteren Kraftwerksausbau des Kamptals verhinderte.

In Originalambiente

1949 bis 1952 wurde mit dem Ausgleichswerk Thurnberg-Wegscheid Bauphase eins in russischer Besatzungszeit begonnen, mit dem Speicherkraftwerk Dobra-Krumau ging es 1953 weiter, und 1957 war das größte, bis heute an den Ufern unverbaute Kraftwerk von Ottenstein vollendet. Einige Häuser, Brücken und Mühlen gingen verloren, leider forderte der vielfach in Schwarzweißaufnahmen und einem Film sichtbare Aufbau mit einem Minimum an Maschinen, beim Einsturz eines Gerüsts auch Todesopfer unter den Arbeitern. Dies steht dem gewonnenen Fremdenverkehrsgebiet als Negativbilanz gegenüber. Privaten Fotografie ergänzen jene von Johann Penz, auch drei Farbradierungen von Luigi Kasimir hielten die Aktivitäten fest und sind Leihgaben aus dem EVN-Archiv.

Ein funktionstüchtiges Modell für Schulklassen von der Elektrizitätserzeugung in Ottenstein und ein alter Lichtmast ergänzen die vielen alten Geräte für Küche und Haushalt, die Polleroß samt ersten Farbfotos der Frauen einer Familie aus Neupölla bei der durch Elektrifizierung erleichterten Hausarbeit diesem historischen Part gegenüberstellt. Die alten Mixer, Bügeleisen, Staubsauger und Waschmaschinen werden zum Teil in Originalambiente von Möbeln mit Schaufensterpuppen mit gepunktet schlichter Kleidung der Fünfziger zu einem echten Ausstellungsvergnügen.

Nicht nur das Design erweist sich in vielen Fällen als hochästhetisch, auch der Wiedererkennungseffekt von Sammlerwerten erfreut. Die Filme im Kinosaal sind interessant, dazu kommt der von Leopold Hollensteiner und Polleroß eben fertig gestellte und am 26. August zu präsentierende Dokumentarfilm "Beton, Schweiß und Strom. 50 Jahre Kampkraftwerke aus der Sicht der Arbeiter" mit Interviews, die Beteiligte – ein Maurer, ein Zimmermann und ein Elektriker - aus Pölla gegeben haben.

50 Jahre Kamp(stau)seen
Erstes österreichisches Museum für Alltagsgeschichte Neupölla
Bis 16. September
Sonntags 14–16.30 Uhr
und nach Vereinbarung:
02988-6217/6220

Kulturlandschaften.