Elefant im Spinnennetz

(cai) Kaffee ist die härteste aller Drogen. Für Spinnen. Die lassen nämlich, wenn sie auf einem Koffein-Trip sind, beim Weben die Sau raus (oder den "Eber der Avantgarde"). Und verhungern dann, weil ihre gestischen Netze alle Fliegen durchlassen. Und wenn die Spinnen einer beruhigenden japanischen Teezeremonie beiwohnen? Ja, dann weben sie vielleicht ganze Teehäuser. Nach den Prinzipien des Feng Shui (obwohl das eigentlich chinesisch ist). Kyoko Adaniya-Baier ist zwar keine Spinne, sie hantiert aber trotzdem mit vielen Fäden. Aus Seide. (Spinnenfäden bestehen übrigens aus Seiden proteinen.) Und trinkt viel grünen Tee.

Mit ihren delikaten, aufwändig "schlichten" Gespinsten, die imprägniert sind mit einer Substanz namens "Schwerelosigkeit" (und wo auch Hanf dabei ist), fängt sie keine Fliegen, sondern Blätter. Oder Sterne aus dem All (na ja, eher Swarovski-Kristalle). Und irgendwann bleibt womöglich eine echte Göttin in einem der ätherischen Kimonos picken, die wie gewebte Himmelssehnsucht aussehen, brauchen die japanischen Himmelsfrauen doch magische Fluggewänder, um ins Paradies zu entfleuchen.

Als wär´s ein begehbarer Kleiderschrank für Buddhistinnen, so hängen die Kleider in der Künstlerhaus-Galerie. Jeder Kimono eine Starterlaubnis für eine Himmelfahrt. Das Prachtstück der Schau ist freilich das intime Teehaus aus schwebenden transparenten Wänden. Der klassisch niedrige Eingang funktioniert als egalisierende "Garderobe", wo man seine soziale Stellung abgibt, weil sich alle gleich tief ducken müssen. Ich hab mich nicht hineingetraut, aus Angst, ich könnte mich tollpatschig aufführen wie ein Elefant im Spinnennetz. So hab ich den Andachtsraum von draußen angeschmachtet, in dem Kyokos kürzlich verstorbener Vater eine Kalligraphie zurückgelassen hat, wo ihm die Sehnsucht nach seiner kleinen Heimatinsel den Tuschepinsel geführt hat.

Künstlerhaus Galerie

(Karlsplatz 5)

Kyoko Adaniya-Baier

Bis 14. Mai

Di. bis So. 10 bis 18 Uhr

Do. 10 bis 21 Uhr

Überirdisch.

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Ein Rind in der Stadt

(cai) Nein, ich will dem Tom Fleischhauer nicht unterstellen, er male wie eine Milchkuh in der Stadt. Aber würde man ein Rind bei seinen städtischen Endverbrauchern aussetzen (bei den "räuberischen Milchtrinkern"), hätte es eventuell ähnliche Eindrücke von den Alltagsaktivitäten wie der Betrachter dieser Bilder. Weil Wiederkäuer Monochromaten sind und alles grau sehen (weshalb sie als Zaungäste in Prinzendorf das geballte Hämoglobin des Herrn Nitsch eh nicht würdigen könnten). Die banalen Szenen sind fleckig gemalt, summarisch, ohne Detailschärfe. Und jede Hektik wird durch die penible Komposition gezügelt. Sauberer Stimmungsimpressionismus. Oder eine Hommage ans Tageslicht. Und die Menschen sind nur da, um die Sonnenstrahlen zu empfangen.

Galerie Frey

(Gluckgasse 3)

Tom Fleischhauer

Bis 7. Juni

Mo. bis Fr. 11 bis 19 Uhr

Sa. 10 bis 16 Uhr

Gesittet profan.

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Turnen im Weltall

(cai) Eduardo Vilches Flores hat eine sanfte Technik. Er ist allerdings kein Masseur, sondern Maler (der unsre Augen alles andere als durchknetet) und Bildhauer. Manche ordnungsverliebte Malerei (Geometrie in dezenter Bewegung) ist mir denn doch zu sediert. Dagegen sind die dynamischen Skulpturen (die Retter der Ausstellung) erfreulich handfest. Und turnen "kosmisch" herum. Ein Globus rotiert gemächlich, konzentrische Ringe drehen sich um einen "Planeten".

Galerie Sur

(Seilerstätte 7)

Eduardo Vilches Flores

Bis 24. Mai

Di. und Do. 15 bis 19 Uhr

Mi. 10 bis 13 Uhr

Blutdrucksenkend.