Schöne Bilder für eine imaginierte Vergangenheit:


Alfred Rollers Kostümentwurf für den Octavian im zweiten Akt von Richard Strauss "Rosenkavalier", Erstdruck von 1910. Foto: Österreichische Nationalbibliothek
Schöne Bilder für eine imaginierte Vergangenheit:

Alfred Rollers Kostümentwurf für den Octavian im zweiten Akt von Richard Strauss "Rosenkavalier", Erstdruck von 1910. Foto: Österreichische Nationalbibliothek

Dass es den Walzer im Rokoko noch gar nicht gab: ein Kunstgriff, der aus Hollywood stammen könnte. Und fast nur Kritiker erzürnte.

Spiegel-Ringelspiel

Weil die Dresdner Uraufführung nun bald 100 Jahre zurückliegt und die Nationalbibliothek im Besitz des Autographen ist, sieht Letzteres nun wieder Museumslicht: als Höhepunkt einer kleinen Schau im Prunksaal. "100 Jahre Rosenkavalier" heißt sie, soll aber kein Rückblick auf die Aufführungsgeschichte sein, sagt Kurator Thomas Leibnitz. Vielmehr will man einerseits die Entstehungsgeschichte erhellen, andererseits Strauss Wien-Bezug.

Dass das vornehmlich mit papierenen Zeitzeugen geschieht (und glückt), beschert einen eher geringen Schauwert. Kompensieren soll das eine Installation von Christof Cremer. Der Bühnenbildner umsäumt die zentrale Figur Kaiser Karls VI. mit einer Art "Rosenkavalier"-Ringelspiel: Zu den süffigen Opernklängen dreht sich ein Karussell aus Kostümentwürfen, die der legendäre Alfred Roller für die Uraufführung schuf. Die rückseitigen Spiegel bringen den opulenten Raum ins Spiel - und den Besucher, der wie Strauss Marschallin der eigenen Vergänglichkeit gedenken darf.

Dass das Vergangene auch ein rosiger Fluchtpunkt ist, erklärt nicht nur bis zu einem gewissen Grad den "Rosenkavalier"-Erfolg, sondern auch den Wiener Partiturbesitz: Die Gabe war 1924 Teil eines Deals; im Gegenzug durfte Strauss in Wien eine Rokoko-Villa bauen. Da kannte er die Stadt schon gut, denn der Deutsche huldigte ihr nicht nur in mehreren Opern: Als Leiter des Hauses am Ring glänzte er 1919-1924 zumindest fallweise durch Anwesenheit. In seinen letzten Jahren (und nach nicht ganz unproblematischen im NS-Staat) durfte sich der Wien-Selige 1947 über die Staatsbürgerschaft freuen - für Strauss das Symbol einer "seelischen Zugehörigkeit zum geistesverwandten schönen Österreich".

Ausstellung

100 Jahre Rosenkavalier

Thomas Leibnitz (Kurator)

Nationalbibliothek

bis 6. März 2011