Einige Kilometer nach Altenburg in Richtung Truppenübungsplatz Allentsteig liegt auf einem Hügel der Ort Neupölla. Hier wurde ein Museum durch die Initiative des Kunsthistorikers Friedrich Polleroß gegründet – in dieser Form das erste in Österreich: seit einem Jahr existiert im Ort auf Nr. 10 – einem längere Zeit unbewohnten Objekt – das "erste österreichische Museum für Alltagsgeschichte".

Integriert ist die Geschichte der in diesem Haus von 1752 bis 1955 wohnhaften Familie Walter, die schon 1648 in den Gemeindeakten aufscheint und aus der Pfalz vor 250 Jahren eingewandert ist. Die letzte Generation, fünf um 1870 geborene Schwestern, von denen eine nach Wien in eine Gastwirtschaft einheiratete und damit die typische Abwanderungsbewegung aus dem Gebiet vorführte, hatte viele Gebrauchsgegenstände und Erinnerungsstücke, z. B. von Wallfahrten, wohl aus Gründen ihrer eher bescheidenen Lebenssituation aufbewahrt, was den Besuchern ermöglicht von Möbeln über Kleidung, Fotos, Geschirr bis zu Zeitungsausschnitten mit Berichten über die Kaiserfamilie bis zum Bau des Atomreaktors Seibersdorf 1960 nachzuvollziehen, wie die Geschichte des Waldviertels mit Höhen und Schattenseiten verlief.

Das Museum ist eine dichte Sammlung alter bäuerlicher Geräte für Feld und Haus – ein großer Webstuhl veranschaulicht eine nun ausgestorbene Webkultur -, Waschtröge erinnern an die Mühen der Frauen vor der Maschine, Wiegen, Schlitten und Spielzeug, ja sogar ein altes, fast unberührtes Schminkkästchen zeigt die wenigen Freuden eines eher schweren Alltags. Die Leuchten und Schüsseln, die in den letzten Jahrzehnten bei den Trödlern der Umgebung reißenden Absatz für die Zweithäuser der Städter fanden, sind hier noch in ihrem Zusammenhang mit einer alten Rauchkuchl und einer original eingerichteten Stube zu sehen.

Im modernen Anbau wird zum einen die zusätzliche kunsthistorische Sammlung von der Ur- und Frühgeschichte bis zum Barock mit einigen qualitätsvollen Beispielen der Plastik vorgeführt, wobei die Volksfrömmigkeit und die Geschichte der Zusammenhänge mit den Aristokraten der Umgebung schwerpunktmäßig beleuchtet wird, zum anderen die vielen gesammelten Gegenstände der letzten beiden Schwestern der Familie Walter, zu der auch Lebensmittel und Hygieneartikel in ihrem zeitgebundenen Design an die jeweiligen Moden erinnern, selbst ein Versandkatalog von 1894 gehört dazu: Keramikdesign, in den zwanziger Jahren noch vom tschechischen Kubismus international beeinflusst, wechselte im Ständestaat zu verkitschtem Heimatstil – das Wilhelmsburger Ostmarkdesign zeigt sich dann als Mischung von beiden Stilen. Ein nicht unwesentlicher Beitrag zur künstlerischen Entwicklung dieser Zeit. Auch Zeugnisse des im Waldviertel verbreiteten Antisemitismus werden in dieser umfassenden Geschichte seit dem Dreißigjährigen Krieg keineswegs verschwiegen.

Der vergnüglich wie lehrreiche Blick auf das Leben der Vorfahren am Land ist von Mai bis Oktober an Sonn- und Feiertagen 14 bis 16.30 Uhr zu besichtigen – ein Besuch lohnt sich! Das Museum ist auch vernetzt unter http://www.regionalberatung.at/Museum abzurufen und bringt bis 26. Oktober 2000 eine zusätzliche Ausstellung über die Schusterwerkstätte des Josef Krammer aus den 1930er Jahren.