Stuppacher Madonna auf Stippvisite. - © Copyright: Wolf-Dieter Gericke
Stuppacher Madonna auf Stippvisite. - © Copyright: Wolf-Dieter Gericke

Eingehüllt in eine Tunika aus Fellen blickt uns Johannes der Täufer an, mit seiner Linken auf die Mutter Gottes verweisend. Die Madonna sitzt auf einer Wolke und hat den Kopf liebevoll dem Jesusknaben in ihren Armen zugeneigt. Sie ist von einer Aureole aus Engelsgestalten umgeben.

Raffaelo Santi, der große Renaissance-Maler, hat dieses Bild vor ziemlich genau einem halben Jahrtausend gemalt. Sein Auftraggeber war der Kämmerer des Papstes Julius II., Sigismondi Conti. Er stiftete das Gemälde aus Dankbarkeit für seine Errettung vor einer Granate während der Belagerung seiner Heimatstadt. Auf dem Bild kniet er zu Füßen der Madonna, umgeben von den Heiligen Hieronymus, Franziskus und Johannes.

Zwischen den Heiligen steht ein Putto mit einer unbeschriebenen Tafel in den Händen. Auch er blickt empor zu Maria mit dem Kinde. Sein Gesichtchen erinnert an die zwei niedlichen Putten, die am unteren Bildrand von Raffaels "Sixtinischer Madonna" mit den Köpfchen auf den Armen das himmlische Geschehen beäugen. Daneben gibt es auch andere Gemeinsamkeiten zwischen beiden Altartafeln, die nun nebeneinander zu betrachten sind: ihre Monumentalität, die lebhafte Farbigkeit, der klassische pyramidale Aufbau, der das Auge über die vermittelnden Heiligen zur Gottesmutter aufsteigen lässt, und der friedvoll-heitere Gesichtsausdruck bei beiden Marienfiguren.

Raffael malte die mehr als drei Meter hohe Altartafel der "Madonna di Foligno" in den Jahren 1511/12, bevor er im Sommer 1512 von Papst Julius II. den Auftrag zur "Sixtinischen Madonna" erhielt. Beide Gemälde standen wahrscheinlich zeitgleich in seinem Atelier. Unter den zahlreichen Madonnenbildern aus seiner Hand gehören die in der Dresdner Ausstellung "Himmlischer Glanz" gezeigten zweifellos zu den Hauptwerken des Künstlers.

1797 wurde das Gemälde, das auf der Liste der napoleonischen Beschlagnahmungen stand, nach Paris überführt. Dort wurde die Farbschicht aus Öl von Holz auf Leinwand übertragen. Im Jahr 1815 wurde das Meisterwerk wieder in den Vatikan zurückgebracht. Möglich wurde die Wiederbegegnung der zwei Raffael-Gemälde erstmals nach 500 Jahren nur durch eine Kooperation zwischen der Dresdner Gemäldegalerie Alter Meister und den Vatikanischen Museen. Anlässlich seiner Reise nach Deutschland hatte Papst Benedikt XVI. die Ausleihe der "Madonna di Foligno" genehmigt. Übrigens auch die der "Stuppacher Madonna" von Matthias Grünewald - eine tiefgründige Ausdeutung der Menschwerdung Jesu durch die Jungfrau Maria.

Die Schau im Dresdner Zwinger ist einem der meistgemalten Motive der frühen Neuzeit gewidmet: der Madonna mit Kind. So sind noch viele weitere hochkarätige Beispiele des Madonnen-Motivs aus der Zeit Raffaels zu sehen, darunter Werke von Albrecht Dürer, Lucas Cranach dem Älteren oder Correggio.