Wien.

Dynamische Direktorin: Agnes Husslein-Arco hat das Haus völlig neu strukturiert. - © WZ / Newald
Dynamische Direktorin: Agnes Husslein-Arco hat das Haus völlig neu strukturiert. - © WZ / Newald
Der Vergleich mit dem über einen Berg gezogenen Schiff aus Werner Herzogs Film "Fitzcarraldo" ist nicht übertrieben, denn es gibt kaum einen Bereich, den die vor fünf Jahren angetretene Direktorin des Belvedere, Agnes Husslein-Arco, nicht völlig neu strukturiert hat. Ihre Dynamik bescherte dem Haus vom umgebauten Prunkstall über die Orangerie und das Untere Belvedere eine neue Wechsel-Ausstellungsfläche, die schließlich auch durch den Verbindungsgang zur Orangerie der Architekten Kuehn/Malvezzi publikumsfreundlicher wurde.

Was die Neuaufstellung der Sammlung betrifft, kam zum Mittelalter das Schaudepot im Prunkstall und Barock und das 19. Jahrhundert wurden mittlerweile im Oberen Belvedere sogar zweimal verändert - die neu aufgestellte Sammlung erfuhr aber auch eine wichtige Erweiterung durch die Zwischenkriegszeit.

Wichtige Eckdaten sind die Klimatisierung der Räume, die Restaurierung der "Sala terrena" und der Prunkstiege, samt außerhäusigem Ticketing, sowie die Gründung des Research-Centers, die jedoch weniger auffallen als die durch ständige Wechselausstellungen seit 2007 verdoppelte Publikumszahl und die 2090 Neuzugänge in die Sammlung, die das Wotruba-Archiv, Nachlässe, Schenkungen und Ankäufen inkludieren.

Hoffnung auf weiteren Besucherzuwachs


Ein besonderer "Klimmzug" war aber zuletzt die völlige Restaurierung und der große Umbau des ehemaligen Museums des 20. Jahrhunderts in ein 21er Haus für die Bestände seit 1945 und vor allem für die zeitgenössische Kunst, die allerdings durch Interventionen auch immer wieder positive "Störungen" ins Obere Belvedere einbringt. Das Center für Zeitgenössisches im Augarten wurde für die nächsten vier Jahre an die Thyssen-Bornemisza-Stiftung Francesca Habsburgs für Ausstellungen vermietet, um Gelder für das neue Haus zu sparen. Es mag auch an den Werken Gustav Klimts liegen, dem 2012 noch eine Ausstellung gewidmet ist, dass das Belvedere den höchsten Eigendeckungsgrad aller Wiener Museen erreicht, aber nicht nur. Statt der 2 Millionen Euro mehr vom Staat hätte sich die Direktorin4,5Millionengewünscht, aber die Hoffnung auf weitere Steigerung bei Eintritten und zusätzlichen Mitteln durch Sponsoren, Events und Shop sind groß.

Heuer startet das 21er Haus mit der ambitionierten Ausstellung "Utopie Gesamtkunstwerk", danach wird in der oberen Etage die Sammlung präsentiert und Hans Schabus wird sich vor der Themenschau "matt und schlapp wie Schnee. Erschöpftes Selbst/Entgrenztes Können" in die modernistische Architektur "versenken".

Die Orangerie bringt im Sommer, nach der wissenschaftlichen Kooperation mit der Angewandten zum Thema Bilderrahmen, Carl Schuch und wird auch durch zwei Ausstellungen zum Thema "Gold" und "Nacht" im Frühjahr und Herbst mit den Räumen des Unteren Belvedere kombiniert. Eine Personale bekommt auch der Stimmungsimpressionist Emil Jakob Schindler, Orient und Okzident bedienen bildlich dokumentierte Künstlerreisen und im Prunkstall kommt nach dem "Meister von Schloss Lichtenstein" 2013 Rueland Fruehauf zu Wort.