Von Dürers "Christus als Schmerzensmann", um 1493/1494, wird auch die Rückseite gezeigt. - © Germanisches Nationalmuseum Nürnberg
Von Dürers "Christus als Schmerzensmann", um 1493/1494, wird auch die Rückseite gezeigt. - © Germanisches Nationalmuseum Nürnberg

Nürnberg. Stünde das Germanische Nationalmuseum (GNM) nicht in Nürnberg, sondern beispielsweise auf der Berliner Museumsinsel, dann müsste es sich um einen angemessenen Bekanntheitsgrad keine Gedanken machen, dann wäre ihm ohne viel Zutun ein internationaler Besucherstrom sicher. Denn zweifellos beinhaltet das GNM, dessen Ausstellungsräume sich um ein ehemaliges Karthäuser-Kloster gruppieren, eine herausragende Kunstsammlung.

Wer, wie das GNM, über einen mittelmäßigen Standort verfügt, der muss besonders kräftige Lebenszeichen von sich geben, was allzu oft als Argument für laut schreiende Marketing- und Ausstellungskonzepte (Stichwort Multimedialität) herangezogen wird. Nicht so im GNM, wo der Schweizer Kurator Daniel Hess regelmäßig mit informativen und intelligent aufbereiteten Ausstellungen unter Beweis stellt, dass puristische Objektpräsentationen einer nachhaltigen Erlebnisqualität nicht im Weg stehen müssen.

Das älteste bekannte Werk


Manchmal darf man freilich ins Fortissimo verfallen: Laut den Museumsbetreibern ist "Der frühe Dürer" die größte Albrecht Dürer-Schau der letzten 40 Jahre, zumindest innerhalb von Deutschland. Mehr als vier Dutzend Leihgeber zwischen Los Angeles und Sankt Petersburg beteiligten sich an dieser Ausstellung, in der Dürers frühes Schaffen bis zum Aufbruch zu seiner zweiten Italienreise im Jahr 1505 analysiert wird.

Gleich zu Beginn wird der Besucher mit einem beeindruckenden Selbstporträt des damals erst 13-Jährigen konfrontiert, einer Silberstift-Zeichnung aus der Wiener Albertina. Die Proportionen der eigenen Hand stellten für den Jungen mit den großen, neugierigen Augen und den langen, von einer Mütze gekrönten Haaren noch eine gewisse Herausforderung dar. Das realistisch wirkende Faltenspiel an den langen Ärmeln lässt hingegen keinen Zweifel an dem großen Talent, das im handwerklich florierenden Nürnberg seinerzeit paradiesische Voraussetzungen für eine baldige Entfaltung finden würde. Dieses älteste bekannte Werk des späteren Meisters soll im Wettstreit mit einem im selben Jahr erstellten Porträt des Vaters, einem angesehenen Goldschmied, entstanden sein. Die beiden Porträts hängen in der Nürnberger Ausstellung an derselben Wand.