Genzo Hattori, der die Firma Seiko groß gemacht hat, sammelte Meisterwerke der japanischen Malerei seit dem 12. Jahrhundert. Seine Schwiegertochter lebt in Wien und macht die Werke nun mit der Ausstellung "Japan - Fragilität des Daseins" im Leopold Museum zugänglich.

Katsushika Hokusais Meisterwerk "Die große Welle vor Kanagawa" von 1830. - © Privatbesitz, Wien
Katsushika Hokusais Meisterwerk "Die große Welle vor Kanagawa" von 1830. - © Privatbesitz, Wien

Wandschirme und Rollbilder mit figürlichen Szenen, auch nahezu abstrakten Motiven, sowie Kalligrafien, die in Japan als lesbare Bilder gelten, sind der Schwerpunkt. Dazu gibt es Netsuke, jene kleinen Schnitzfiguren aus Halbedelstein. Mit dem seit der Weltausstellung in Wien 1873 wiederkehrenden Japonismus-Boom, der neben Vincent van Gogh Jugendstilmaler wie Gustav Klimt erfasste, ist die lange Beziehung hergestellt.

Aktuelle Referenzen

Kurator Diethard Leopold bereichert diese erstmals öffentlich gezeigten Meisterwerke mit Farbholzschnitten wie Katsushika Hokusais "Die große Welle von Kanagawa" aus den "36 Ansichten des Berges Fuji" von 1830 oder den erotischen Holzschnitten aus dem Besitz der Familie Leopold. Dazu kommen Werke der Gegenwartskunst von Kurt Spurey, Roman Scheidl, Margit Hartnagel, Marko Zink und Kyoko Adaniya-Baier. Ihre Referenzen an die japanische Kunst sind zum Teil direkte Übernahmen der Techniken in der Keramik, der berühmten Druckgrafik eines Hokusai oder Ando Hiroshige, von Tuschemalerei sowie Objektkunst aus Naturmaterialien wie Hanf, Hopfen und Seide. Zusätzlich ist im Atrium des zweiten Kellergeschoßes die Fotoserie Katsuhiro Ichikawas von Natur und Menschen vor der Katastrophe von Fukushima zu sehen. Ein Japan-Schwerpunkt der besonderen Art also, da der Kurator mit dem Japanologen Peter Pantzer und dem früheren Botschafter Japans in Wien, Akio Tanaka, versucht, den eigentlichen stillen Pathosformeln der ostasiatischen Kunst gerecht zu werden.

Die Sammlung Hattori wird in neun Themenbereiche geteilt, die nicht nur Inhalte, sondern auch Philosophien und Stimmungen wiedergeben, als übergreifendes Thema ist die Fragilität des Daseins natürlich schrecklich aktuell. Die Gefahren für das menschliche Leben und die Natur in der Kunst darzustellen, hat aber in Japan lange Tradition. Die Landschaftsfragmente spiegeln nicht nur die Jahreszeiten, wilde Wetter und Geografien, sondern auch Buddhismus, Konfuzianismus und Taoismus - im Gegensatz zu Europa ist der leere Raum wesentlich. Die Abstraktion gibt es hier schon um 1800 und davor. Der Mensch steht nicht im Mittelpunkt, aber seinem inneren Sehen wird nachgegangen. Gleiche Wahrheiten auf verschiedene Art gespiegelt, umkreisen Lebensarten von stark und kräftig (tsuyoi), leicht (karui), einsam (sabishii), weich (yawarakai), rein (kiyoi), räselhaft (nazo) bis zum Nichts (Mu), der Leere.

Unterschiedliche Malstile

Shuho Ikegamis (1874-1944) Werk "Hinazuru-Sanbanso". - © Hattori Collection
Shuho Ikegamis (1874-1944) Werk "Hinazuru-Sanbanso". - © Hattori Collection

Die Künstler sind namhaft, die Kano-Malerdynastie war sozusagen die Familie Bosch der Japaner im 16. Jahrhundert in Tokyo.

Es gibt verschiedene Malstile durch die Jahrhunderte, von feinstem, unsichtbarem Pinselstrich zu kräftig breitem, mit persönlich anmutender Handschrift. Mensch und Tier gehen in der Landschaft auf, Tätigkeiten wie das Fischen, aber auch lyrische Nachtlandschaften unter dem Mond zeichnen diese besonderen Stile aus. Rauschen der Kiefer und Klang der Zikade, das Beobachten während einer Reise oder "Rote Pflaume in der Winterkälte", bezogen auf eine festlich gekleidete Braut, sind nur einige der positiv bestimmten Themen, aber auch ein Beamter auf seinem Esel am Weg in die Verbannung erscheint dem Betrachter im Gebirge idyllisch oder fast ironisch. Wenn eine Kalligrafie über die im Gras verschollenen toten Krieger neben einem Wandschirm mit Getreidehalmen und Masken aus dem No-Theater gezeigt werden, ist der west-östliche Dialog vielfältig in der Stimmung, nicht nur grau.