Klimt mit Schlag, bitte!

(cai) Es gibt Rezepte, die sind dermaßen surreal, dass man sie sofort als Schwangerengelüste abtut, weil man sie partout nicht als visionär erkennen will, sondern einfach als unappetitlich einstuft. Vielleicht muss die Welt deshalb auf die Kreation "Coupe Schubert" immer noch warten: Pistazien-Eis, in dem statt der einfallslosen Waffeln fünf stramme Fischstäbchen stecken. (Goldfische darstellend, die felsenfest glauben, sie wären das Forellenquintett.)

Ungefähr so abenteuerlich ist auch das derzeitige Sortiment der Galerie Marschalek. Nein, Klimt mit Schlagobers kriegt man dort keinen. Aber gilt auch ein echter "Pigcasso"? (Ein Schweinderl, blauer als die blaue Periode und mit kubistischem Tattoo. Nippes eben.) Auch wenn man das Ganze für eine dadaistische Installation halten könnte (oder als hätte sich der enzyklopädische Geschmack geoffenbart), läuft die Galeristin natürlich nicht als Mona Lisa mit aufgepicktem Dalí-Bärtchen herum, sondern ist völlig normal. Alles ist da: Vom Souvenirkitsch, vor dem man reflexartig die Zeigefinger kreuzt (Hinweg, Glumpert!) bis hin zum gediegenen Kunsthandwerk und zu Meisterwerken, die in Euphorie versetzen.

Also vom Schutzengerlschlüsselanhänger bis zu Lothar Bruckmeiers Farbidyllen, wo der Pinsel Frühlingsgefühle hat. Die Farben sprießen da aufs Romantischste. Margit Russnigs charmant absurde Porzellanfigürchen wiederum kann ich als Antidepressiva empfehlen: Auf üppigen Nackerten, die sich total zerkugeln (Lachen ist ja ansteckend) lungern exotische Viecher herum. Und Jaqueline Hoffmann-Botquelens fantasievolle Glasgefäße, die aussehen, als wären sie aus buntem Kristallzucker, verhalten sich zu Vasen wie Paradiesvögel zu Wachteln. Eine Ausstellung für Schatzsucher und "Trüffelschweine". Gewagt.

Galerie Marschalek

(Amerlingstraße 17)

Neue Künstler

Bis 31. Mai

Di. bis Fr. 11 bis 18 Uhr

Sa. 11 bis 15 Uhr

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Die Natur des Mannes

(cai) Bertram Castell ist nicht so ein kleinlicher Landschaftsmaler, der die Gräser und Blätter einzeln porträtieren täte. Die Vegetation ist bei ihm nicht einmal grün . Und im Grunde ist das botanische Geschehen in Rot und Schwarz eh keine "richtige" Natur, sondern eine Improvisation, die mit ein paar markanten Gesten ohne viel Firlefanz auskommt. Als abstrakte Darstellung der latent aggressiven Koexistenz zweier politischer Kräfte (der Koalitionspartner) würden die Bilder aber zur Not auch durchgehen. Im komplett schwarz gestrichenen Black Room der Galerie Time wirken sie dramatischer, als sie es vermutlich sind. Katharina Heistinger scheint daneben die Spielgeräte der Männer nicht ganz ernst zu nehmen, nämlich jene Dinger, mit denen man das berüchtigte "Stoßen mit Ausfallschritt" vollführen kann. Das ist ja nix Perverses. Vielmehr eine Übung beim Gewichtheben. Die primitiven, fast respektlos gebastelten Hanteln zeugen zumindest von einer gewissen Skepsis. Und die senkrechte Stange erst, die vor angeberischer Vertikalität nur so strotzt: Wenn das keine Parodie aufs maskuline Imponiergehabe ist...

Galerie Time

(Wollzeile 1 - 3)

B. Castell/K. Heistinger

Bis 17. Mai

Mi. bis Fr. 14 bis 19 Uhr

Sa. 11 bis 13 Uhr

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Es graut so grau

(cai) Grau muss die Lieblingsfarbe des Homo sapiens sein. Weil er unermüdlich werkt, damit die Welt noch grauer wird. Indem er sie zuasphaltiert. Da passt es ja, wenn Tom Fleischhauer das Treiben in den Städten in "urbaner Camouflage" (grau in grau) malt. In fleckiger Impressionistenmanier. Die virtuos grobe Oberfläche glättet sich aus der Ferne. Die Zapfen auf der Netzhaut (die Farbbeauftragten im Aug) fadisieren sich ein bissl, aber die Stäbchen (ja fürs Hell-Dunkel zuständig) sind wunschlos glücklich.

Galerie Frey

(Gluckgasse 3)

Tom Fleischhauer

Bis 25. Mai

Mo. bis Fr. 11 bis 19 Uhr

Sa. 10 bis 16 Uhr