Nikolaus Wallner beim Grab von Carl Ritter von Ghega auf dem Wiener Zentralfriedhof. Eine DNA-Probe von den sterblichen Überresten würde die Indizien bestätigen, dass Ghega sein Vorfahr ist, so Wallner. - © Johann Werfring
Nikolaus Wallner beim Grab von Carl Ritter von Ghega auf dem Wiener Zentralfriedhof. Eine DNA-Probe von den sterblichen Überresten würde die Indizien bestätigen, dass Ghega sein Vorfahr ist, so Wallner. - © Johann Werfring

Im Vorwort zu seinem Amerika-Buch vermerkte Carl Ritter von Ghega im Jahr 1844 in Anspielung auf sein durch und durch von Arbeit geprägtes Leben: "Die Pflichten meines Berufes lassen mir nur wenige Mussestunden." Was das Privatleben des zeitlebens unverheiratet gebliebenen Erbauers der Semmering-Bahnstrecke betrifft, so findet sich darüber in der von Wolfgang Straub verfassten Ghega-Biografie nur ein schmaler Abschnitt.

Zum Zeitpunkt der Drucklegung im Jahr 2004 hatte der Biograf indes noch nichts von den Familienforschungen des pensionierten Wiener Buchhalters Nikolaus Wallner gewusst. Letzterer hatte von seiner Mutter erfahren, dass er ein "Urururenkel von Carl Ritter von Ghega" sei (auf dem hier abgedruckten Familienfoto aus dem Jahr 1912 ist seine Mutter ganz links positioniert). Um diese nur familienintern von Generation zu Generation weitergegebene Information abzusichern, hatte es Wallner auf sich genommen, sie in mühevoller Archivarbeit zu verifizieren.

Das älteste Familienfoto der Wallners. - © Foto: Archiv Wallner
Das älteste Familienfoto der Wallners. - © Foto: Archiv Wallner

Mittlerweile liegt auch schon eine professionelle Beurteilung des von Wallner zusammengetragenen Materials vor. Im Februar 2005 teilte ihm Ghega-Biograf Wolfgang Straub brieflich mit: "Damit ist aus meiner Sicht auch die Wahrscheinlichkeit der Abstammung (Anm.: Wallners) von Ghega benannt: Es gibt keinen Beweis, es sind Indizien. Indizien, die aber doch recht kräftig sind."

Bei seinen Recherchen hatte Nikolaus Wallner herausgefunden, dass seine "Urururgroßmutter" Franziska Wallner 1852 bis 1853 als Tagelöhnerin im Umfeld des Semmering-Bahnbaus tätig gewesen war und 24-jährig, und zwar am 3. Dezember 1853, einen unehelichen Sohn zur Welt brachte, der den Namen Carl Franz Wallner erhielt. "Die beiden Vornamen verweisen eindeutig auf beide Eltern", sagt Nikolaus Wallner.

Freilich sei über das Kind – den damaligen moralischen Auffassungen entsprechend – aus Rücksichtnahme auf Ghegas Stellung Stillschweigen vereinbart worden. Dass die junge Frau vom Vater ihres Kindes finanziell entsprechende Zuwendungen erhielt, ist für Wallner bei Betrachtung ihrer weiteren Vermögensentwicklung offensichtlich. Auch "mehrfache Aufenthalte Ghegas in der Nähe seines Kindes" und ein besonderer Eintrag in dessen Testament seien aufschlussreich, so Wallner.

Weitere von Wallner recherchierte Indizien ließen schließlich ein recht plausibles Bild von Ghegas Vaterschaft entstehen, weshalb die Angelegenheit letztlich in der Gloggnitzer Ausstellung thematisiert wurde. Zur Bestätigung der "kräftigen Indizien" fehlt Wallner nur noch das letzte Mosaiksteinchen: der DNA-Vergleich mit Überresten des genialen Ingenieurs am Wiener Zentralfriedhof. Fürs Erste hat die Friedhofsverwaltung aber abgewunken . . .

Carl Ritter von Ghega zum 150. Todesjahr
Schloss Gloggnitz
So und Feiertag 14–17 Uhr
2640 Gloggnitz (NÖ), Kirchensteig 3
bis 31.Oktober 2010
Tel. 0699/813 015 40
www.schlossgloggnitz.at

Print-Artikel erschienen am 7. Oktober 2010
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7