Ludwig van Beethoven (1770 bis 1827) hielt sich gerne in Baden bei Wien auf. Zum einen nahm er häufig am Badebetrieb teil, und zum anderen scheint sich das Flair des schmucken Städtchens stimulierend auf sein kompositorisches Schaffen ausgewirkt zu haben. Eine Reihe von bedeutenden Werken entstand in der alten Kurstadt südlich von Wien.

In den Jahren 1804 bis 1825 bewohnte Beethoven bei rund 15 Aufenthalten mindestens sieben Badener Häuser. Weil sein ständiges Musizieren die Nachbarn in ihrem Ruhebedürfnis beeinträchtigte, tat sich der Komponist meist mit seinen Vermietern schwer. Deshalb war er stets in Sorge, ob es ihm beim nächsten Mal wieder gelänge, ein Badener Quartier zu finden.

Als er 1821 beim Essen im Gasthaus "Zum schwarzen Adler" erfuhr, dass im Kupferschmiedhaus in der Rathausgasse – wo sich heute die Gedenkstätte befindet – ein Zimmer frei sei, stürzte er sogleich los, um sich das Mietrecht zu sichern. Wie berichtet wird, habe ihn aber der Wirt wegen Zechprellerei angezeigt, weshalb der Musiker promt verhaftet wurde. Erst beim Verhör im Badener Rathaus soll sich alles geklärt und zum Guten gewendet haben.

Beethoven-Puppe am Schreibsekretär im Badener Beethoven-Haus. - © Foto: Johann Werfring
Beethoven-Puppe am Schreibsekretär im Badener Beethoven-Haus. - © Foto: Johann Werfring

Als Beethoven im September 1822 wieder "zur Cur" nach Baden fuhr, kam er neuerlich im Kupferschmiedhaus unter. Bei diesem Aufenthalt soll es vorgekommen sein, dass er einen musikalischen Einfall spontan auf einen Fensterladen des Hauses schrieb, weil er kein Papier zur Hand hatte. Ein Kurgast aus dem gegenüberliegenden Haus, der das beobachtet hatte, kaufte dem Kupferschmied den Fensterladen ab. Als Beethoven 1823 nach Baden kam, um seine "Neunte Symphonie" zu vollenden, wollte ihn der Kupferschmied nicht mehr aufnehmen. Erst nachdem er sich bereit erklärt hatte, den zuvor beschädigten Fensterladen zu bezahlen, fand der Musiker Aufnahme. Freilich hatte dieser nichts von der bereits erfolgten Ablöse gewusst.

Übrigens war der weltberühmte Komponist sogar ein zweites Mal verhaftet worden, als er (1821 oder 1822) eine Wanderung von Baden nach Wiener Neustadt unternahm. Dort hatte ihn die Polizei als "Lump" erachtet und wegen Landstreicherei dingfest gemacht.

Artikel erschienen am 12. August 2010
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7