Kampfszene im Bauernkriegsmuseum: Bauern attackieren einen Ritter. - © Foto: Johann Werfring
Kampfszene im Bauernkriegsmuseum: Bauern attackieren einen Ritter. - © Foto: Johann Werfring

Das Peuerbacher Bauernkriegsmuseum befindet sich im Kontext seines Ausstellungsgegenstandes auf historischem Boden: Die erste Schlacht des oberösterreichischen Bauernkrieges von 1626, bei der die Bauern ein adelig geführtes Heer vernichtend zu schlagen vermochten, fand nämlich auf der Ledererwiese bei Peuerbach statt. Auch das Schloss, in dessen Gemäuer das Museum untergebracht ist, war im Zuge von Bauernerhebungen etliche Male Schauplatz schicksalsreicher Ereignisse gewesen.

Nach dem erfolgreichen Auftakt des Bauernkrieges von 1626 sah es eine Zeit lang gar nicht so übel für die Bauern aus. Sie brachten weite Teile des Landes unter ihre Gewalt und besetzten Eferding, Wels, Steyr sowie Kremsmünster und Freistadt. Auch die Stadt Linz wurde von den Bauern belagert – und die Verteidiger mussten zunächst ernsthaft um ihr Leben zittern.

Bauern als Dorfpolizisten

Wie aber konnten sich die Bauern, die jahrhundertelang – und zwar schon seit dem frühen Mittelalter – mit striktem Waffenverbot belegt waren, kriegerisch erheben? Zunächst ist hier zu vermerken, dass manche Bauern auch als Landsknechte Heeresdienste leisteten und bestimmte Waffen, etwa Hellebarden, mit nach Hause nahmen. Andererseits gab es auch ein gewisses Waffenarsenal in den Dörfern, mit dem im Notfall Räuberbanden oder herumziehende Söldnerhaufen bekämpft wurden.

Museumskustos Hubert Haslehner bei der Präsentation von Waffen des Bauernkrieges: "Pike" (l.) und "Morgenstern" (r.). - © Foto: Johann Werfring
Museumskustos Hubert Haslehner bei der Präsentation von Waffen des Bauernkrieges: "Pike" (l.) und "Morgenstern" (r.). - © Foto: Johann Werfring

Da es anno dazumal ja keine Polizei gab, waren die Bauern in solchen Fällen auf sich gestellt und mussten sich selbst um die Verteidigung der Dörfer kümmern. Wenn also im Falle der Gefahr auf den Kirchtürmen die Sturmglocken läuteten, holten sie eilends ihre einfachen Bauernwaffen hervor. Diese benützten sie auch bei Revolutionen.

Häufig wurden bäuerliche Arbeitsgeräte für dem Kampf adaptiert. So beschlug man Dreschflegel mit Eisen, um mit diesen im Nahkampf wirksam zuschlagen zu können. Die Naben von Fuhrwerken konnten im Nu mit Eisendornen bestückt und so zu gefährlichen Morgensternen umfunktioniert werden. Auch die Klinge einer Sense ließ sich zu einer Waffe machen, indem sie ganz einfach senkrecht auf einer Stange montiert wurde. In Friedenszeiten diente solches Gerät als "Saufeder" dazu, auf den bäuerlichen Fluren gegen Wildschweine vorzugehen, bei Revolutionen hingegen setzte man es gegen Krieger herrschaftlicher Heere ein.

Die von Museumskustos Hubert Haslehner präsentierte "Pike" hatte in Oberösterreich letztendlich Anteil am Sieg des Feudalismus. Das Nachladen der Musketen erforderte damals eine beträchtliche Zeitspanne. Mit den fünf Meter langen Piken konnten sich die Soldaten des adeligen Aufgebots die auf Nahkampf ausgerichteten Bauern so lange vom Leib halten, bis die Gewehre wieder einsatzbereit waren . . .


Artikel erschienen am 29. September 2011
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7