Bruno Kreisky, Porträt von Simonis, 1956. - © Österreichische Nationalbibliothek
Bruno Kreisky, Porträt von Simonis, 1956. - © Österreichische Nationalbibliothek

WestLicht, der "Schauplatz für Fotografie", zeigt in Zusammenarbeit mit dem Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek eine hervorragende Ausstellung mit Fotografien aus den umfänglichen Archivbeständen von "Photo Simonis". Nach Auflösung des renommierten Wiener Fotostudios im Jahr 2005 glückte der Österreichischen Nationalbibliothek – wie schon viele Male zuvor – eine wichtige Archivrettung.

Das im Jahr 1917 von Julius Simonis gegründete Studio "Photo Simonis" war bereits in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens zu großem Ansehen gelangt. Nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte Heinz Simonis, der Sohn von Julius Simonis, das Unternehmen als führendes Fotostudio Wiens.

Kunstlicht, Retusche und Perfektion

Heinz Simonis brachte es nicht nur zuwege, Vertreter aller politischen Couleurs als Kunden zu gewinnen, sondern auch Schauspieler, hohe kirchliche Würdenträger und führende Köpfe aus Wirtschaft und Wissenschaft. Fotos aus dem Studio Simonis waren geradezu omnipräsent, etwa als Bundespräsidentenporträts in Schulen und Ämtern oder als Pressebilder in Medien.

Kein Wunder also, dass – ungeachtet der stolzen Preise – auch viele Wiener "Normalbürger" ein Porträt von Simonis haben wollten. "Photo Simonis" stand im Ruf, abgebildete Personen in bestem Licht erscheinen zu lassen. Erreicht wurde dies unter anderem durch Kunstlichteinsatz, technische Perfektion und Retusche. Im Falle des hier abgebildeten Politikers Bruno Kreisky etwa wurden – handwerklich geschickt – Retuschen im Hals- und Kinnbereich vorgenommen. Das Porträt wurde übrigens nicht, wie am Foto vermerkt, im Jahr 1955, sondern 1956 angefertigt.

ÖVP-Spitzenkandidaten für die Nationalratswahlen 1971. V.l.n.r.: Alois Mock, Stephan Koren, Karl Schleinzer, Herbert Kohlmaier, Marga Hubinek; Aufnahme: 1971. - © Österreichische Nationalbibliothek
ÖVP-Spitzenkandidaten für die Nationalratswahlen 1971. V.l.n.r.: Alois Mock, Stephan Koren, Karl Schleinzer, Herbert Kohlmaier, Marga Hubinek; Aufnahme: 1971. - © Österreichische Nationalbibliothek

Spiel mit Schärfe und Unschärfe

Wie hier am Beispiel des Kreisky-Porträts nachzuvollziehen ist, lag bei Simonis-Porträts der Fokus meist im Bereich der Augen, wohingegen in anderen Bereichen gekonnt mit Abstufungen von Unschärfe gearbeitet wurde. Bei dem hier abgebildeten Foto mit den fünf ÖVP-Spitzenpolitikern aus dem Jahr 1971 wurden die Schärfentiefe und die damit verbundenen Unschärfegrade offensichtlich so gewählt, dass ÖVP-Bundesparteiobmann Karl Schleinzer sowie Stephan Koren und Herbert Kohlmaier gestochen scharf abgebildet sind, während die im Hintergrund positionierten Politiker Alois Mock und Marga Hubinek (die politisch damals vergleichsweise noch nicht so gewichtig waren) deutlich unschärfer erscheinen.

Literaturtipp: Uwe Schögl (Hrsg.), Ulla Fischer-Westhauser, "Photo Simonis – Prominente und Werbung, 1960er & 70er", Christian Brandstätter Verlag, Wien 2010, 160 Seiten, 36 Euro.

Artikel erschienen am 24. Juni 2010
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7