Das Dorfmuseum Mönchhof darf zu den beschaulichsten Platzerln in der Gegend des burgenländischen Neusiedler Sees gezählt werden. Gemeinsam mit wenigen Helfern ließ dort Josef Haubenwallner in den vergangenen 20 Jahren auf bezaubernde Weise die Welt von Gestern auferstehen, indem er eine beachtliche Anzahl an originalen Gebäuden aus dem Heideboden, wie der Landstrich rund um Mönchhof genannt wird, zu einem Dorf zusammenfügte und entsprechend ausstattete.

Eines der größten Gebäude des Dorfmuseums dient für Sonderausstellungen. Unter dem Titel "Unsere gemeinsame Heimat" sind dort zurzeit die Aquarelle, Ölbilder und Zeichnungen des burgenländischen Künstlers Paul Gruber aus Andau und der ungarischen Malerin Edit Glázer-Kozma aus St. Johann zu sehen.

Hurtiger Balkentransfer

Das hier abgebildete Aquarell von Paul Gruber zeigt die Brücke von Andau, die nach der Niederschlagung des ungarischen Volksaufstandes von 1956 kurzzeitig ins Zentrum des weltweiten Interesses rückte, als Zigtausende ungarische Flüchtlinge über dieses fragile Bauwerk nach Österreich geflüchtet waren. Am 21. November 1956 sprengten sowjetische Soldaten die Brücke, wodurch der Flüchtlingsstrom zum Versiegen gebracht wurde.

Zum Gedächtnis der dramatischen Ereignisse errichteten 40 Jahre später ungarische und österreichische Soldaten gemeinsam die "Neue Brücke von Andau". Der rund neun Kilometer lange Weg zwischen der Brücke und der Ortschaft Andau wird bis heute "Fluchtstraße" genannt.

Als später der Film "Der Bockerer III – Die Brücke von Andau" (2000) mit Karl Merkatz in der Hauptrolle gedreht wurde, war das Dorfmuseum Mönchhof Drehort etlicher Sequenzen. Auch eine Installation in der Dauerausstellung des Museums verweist auf die jüngere Geschichte des ungarisch-burgenländischen Grenzbereichs: Die hier abgebildete Grenzstation ist der Nachbau jenes Häuschens, das bis zum Wegfall der ungarisch-österreichischen Grenzkontrollen im Jahr 2007 auf der österreichischen Seite bei Andau zur Abwicklung der Grenzformalitäten gedient hatte.

Der daneben aufgestellte Grenzbalken ist original. Nachdem im Zuge des Schengener Abkommens am 21. Dezember 2007 die Staatsgrenze zwischen Österreich und Ungarn geöffnet worden war, rückte bereits am darauffolgenden Tag Josef Haubenwallner an, um sich den Grenzbalken für sein Dorfmuseum zu sichern.

Der vor dem Balken aufgestellte Trabant wurde im Jahr 1989 von einem DDR-Bürger auf ungarischem Staatsgebiet zurückgelassen, als er über die grüne Grenze nach Andau flüchtete. "Der Trabant ist fahrbereit", sagt Museumsgründer Haubenwallner. Auch die übrigen Einrichtungen im Dorf aus alter Zeit sind funktionstüchtig . . .

Print-Artikel erschienen am  2. August 2012
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7