Das Jahrhundert, in dem Kaiserin Elisabeth von Österreich (1837 bis 1898) gelebt hat, ist als Ära des Historismus bekannt, die sich schon während der Aufklärung angebahnt hatte. Niemals zuvor und niemals danach hatte Geschichte einen derart hohen gesellschaftlichen Stellenwert wie damals. Kaiserin Elisabeth (Sisi) begeisterte sich vor allem für die Geschichte Griechenlands.

Nachdem in Wien unter Kaiser Franz Joseph I. historistische Bauten ins Werk gesetzt worden waren, die bis heute den Ruf der Märchenstadt am Donaugestade begründen, schuf sich dessen Ehefrau Elisabeth auf der griechischen Insel Korfu mit dem Achilleion benannten Schloss ihre eigene Historienwelt.

Sisis griechischer Spitzname

Der antikisierende Baustil dieses im Jahr 1891 fertiggestellten Gebäudes und die zahlreichen Details der Außen- und Innengestaltung werden in der Ausstellung im Wiener Hofmobiliendepot ebenso vergnüglich kommuniziert wie das Alltagsleben der Kaiserin auf Korfu. Von der griechischen Bevölkerung wurde die Monarchin als eine recht quirlige Person wahrgenommen, weil sie bei ihren zahlreichen Ausflügen stets recht flott unterwegs war. Der griechische Volksmund verpasste ihr deshalb den (durchaus bewundernden) Spitznamen "Die Eisenbahn".

Für ihre Reisen nach Korfu und ihre von dort aus unternommenen Ausflüge standen Elisabeth besondere Schiffe zur Verfügung. Von dem bis heute bekanntesten Reiseschiff der Kaiserin, der "Miramar", befindet sich in der Ausstellung ein herrliches Modell, im Hintergrund sind die vor dem Achilleion aufgestellten Statuen der beiden Ringer als Lichtinstallation zu sehen.

Elisabeth, die sich einen blauen Anker auf die Schulter hatte tätowieren lassen, was Kaiser Franz Joseph I. "sehr originell und gar nicht so entsetzlich" fand, liebte das Meer und freute sich auf jede Schiffsreise. "Das Leben auf dem Schiffe ist viel schöner als jedes Ufer; die Reiseziele sind nur deswegen begehrenswert, weil die Reise dazwischen liegt", vertraute die Kaiserin ihrem Vorleser Constantin Christomanos an.

Während ihre Begleiter nicht selten seekrank wurden, genoss Sisi die Naturgewalten. Bei stürmischer See ließ sie sich sogar am Schiffsdeck festbinden, um nicht fortgespült zu werden. "Ich thue dies wie Odysseus, weil mich die Wellen locken", erklärte sie ihrem Vorleser und Vertrauten Christomanos.

Bekanntlich hatte die Kaiserin manch einen Tick: Unter anderem verlangte sie beständig nach frischer Milch, weshalb sich an Bord der "Miramar" stets Ziegen und Kühe befanden. Allein die Versorgung dieser wenig seefesten Tiere stellte für die Crew eine spezielle Herausforderung dar. Wollte die Kaiserin baden, so mussten, damit das Wasser nicht aus der Wanne schwappte, die Maschinen gestoppt oder der Kurs geändert werden. Aber trotz ihrer Eigen- und scheinbaren Verrücktheiten wurde sie von allen geachtet und geliebt . . .

Print-Artikel erschienen am  10. Jänner 2013
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7