Museumsleiter Franz Rieder und seine Mitarbeiter von der Zinnfigurenwelt Katzelsdorf praktizieren Ehrenamtlichkeit auf Top-Niveau. Bei der aktuellen, von Brigitte Vacha kuratierten Sonderausstellung wurde das Kunststück zuwege gebracht, den Hüten der Zinnfiguren jeweils die originalen Kopfbedeckungen gegenüberzustellen.

Zwei Persönlichkeiten der Wiener Kulturszene haben zum Gelingen der Ausstellung wesentlich beigetragen: Heinz Zednik und Gerhard Tötschinger. Viele der gezeigten Zinnfiguren stammen aus der Sammlung Heinz Zednik, die der bekannte Operntenor dem Museum als Schenkung überlassen hat.

Der hier abgebildete, mit Federn geschmückte Hut stammt aus der Sammlung Gerhard Tötschinger. Es handelt sich um den originalen Kapellmeisterhut von Wilhelm Wacek, dem letzten Kapellmeister der Musikkapelle des k.u.k. Infanterie-Regiments Hoch- und Deutschmeister Nr. 4. Gleich daneben ist Wacek als Zinnfigur zu sehen. Ebenso wie viele andere in der Ausstellung gezeigte Figuren verdankt diese Figur ihre Herstellung einer Initiative von Julius Vesely, der in der Burggasse in Wien-Neubau ein Kaffeehaus betrieben hatte. In den 1930er Jahren ließ Vesely nach alten Bildvorlagen sämtliche Einheiten der k.u.k Armee als Zinnfiguren herstellen. Die Zeichnungen dazu hatte der Wiener Historienmaler Alexander Pock angefertigt.

Gerhard Tötschinger ist ein großer Förderer der Zinnfigurenwelt Katzelsdorf. Wie er denn zu dem ausgefallenen Hobby kam, Stücke wie diesen Kapellmeisterhut zu sammeln, möchte ich gerne von ihm wissen. "Ich stamme aus einer Offiziersfamilie mit alter Tradition", sagt Tötschinger. Seine Tante Lucie habe 19-jährig einen General geheiratet und galt in Offizierskreisen als "jüngste Generalin der Monarchie". Insofern habe in der Verwandtschaft auch nach dem Krieg ein gewisses folkloristisches Interesse an Uniformen und Musik von anno dazumal bestanden. Neben der Sammelleidenschaft sei solcherart auch sein besonderes Interesse an Geschichte erweckt worden.

Mit dem Wacek-Hut hat der Leihgeber auch persönliche Berührungspunkte: Mit Julius Herrmann, der die Hoch- und Deutschmeister-Kapelle nach dem Ersten Weltkrieg wieder aufgebaut hatte, war Tötschinger nämlich persönlich bekannt. Als "Blechkarajan" habe es Julius Herrmann hierzulande zu großem Ansehen gebracht. In zahlreichen Tourneen feierte der auch als "Blecherner Furtwängler" bezeichnete Kapellmeister mit den Hoch- und Deutschmeistern in vieler Herren Länder beachtliche Triumphe, ehe er am 14. Februar 1977 verschied.

Print-Artikel erschienen am  21. Februar 2013
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7