Kaiser Franz Joseph ist seit 1909 Patron des Badener Museums. - © Johann Werfring
Kaiser Franz Joseph ist seit 1909 Patron des Badener Museums. - © Johann Werfring

Die Lebenszeit des österreichischen Kaisers Franz Joseph I. (1830 bis 1916) deckt sich in etwa mit jener Periode, die mit dem Begriff Historismus umrissen wird. Niemals zuvor und niemals danach hatte Geschichte einen derart hohen gesellschaftlichen Stellenwert wie damals.

In der Kurstadt Baden bei Wien hatte die Begeisterung für Geschichte zu jener Zeit nicht nur erhebliche Auswirkungen auf die architektonische Gestaltung von Gebäuden, die bis heute das Stadtbild nicht unwesentlich prägen. Die allgemeine Faszination für die Historie hatte auch zur Folge, dass etliche Badener Bürger unter Einsatz beträchtlicher Geldmittel historische Privatsammlungen zusammentrugen und schließlich am 19. Dezember 1893 den Verein Niederösterreichische Landesfreunde in Baden gründeten.

Nachdem die Sammlungen des Vereins immer umfangreicher geworden waren, entschloss man sich, die Objekte öffentlich zur Schau zu stellen. Die Präsentation der Sammlungen, darunter eine prähistorische und eine römische Abteilung, erfolgte zunächst ab November 1900 im Keller des neu errichteten Gymnasiums in der Biondekgasse.

Alsbald erwies sich das Kellerlokal jedoch als ungeeignet für die anspruchsvollen Sammlungen. Es war ein Glücksfall, dass der im niederösterreichischen Ort Dornau ansässige kulturbegeisterte Gutsbesitzer Zeno Gögl am 14. Juli 1901 die Sammlungen besichtigte. Spontan trat er dem Verein bei und erwirkte infolge seiner Beziehungen zum damaligen Minister für Kultus und Unterricht die Subvention für einen Museumsneubau. Darüber hinaus steuerte er aus eigener Tasche einen namhaften Geldbetrag bei. Die Besitzer der Objekte wiederum übereigneten dem im Jahr 1905 eröffneten Museum den Großteil ihrer Sammlungen.

Museumsobjekte als Zielscheiben

Das 60-jährige Regierungsjubiläum Kaiser Franz Josephs I. im Jahr 1908 war der Anlass, ihm das Museum zu widmen. Mit kaiserlicher Ermächtigung vom 25. Oktober 1909 erfolgte schließlich die Verleihung des Titels Kaiser Franz Josef Museum.

Nachdem die Sammlungen in der Zwischenkriegszeit durch Schenkungen vermehrt worden waren, spielten im Jahr 1938 die Nationalsozialisten mit dem Gedanken, aus dem Museum ein Heim für die Hitlerjugend zu machen, was ihnen erfolgreich ausgeredet werden konnte. Nach dem Krieg hausten die Russen fürchterlich im Museum und zerstörten Teile der Sammlungen. So manche Objekte wurden sogar als Zielscheiben missbraucht.

Als die Vereinsmitglieder den Schock überwunden hatten, krempelten sie ihre Ärmel auf und organisierten neuerlich die Aufstellung. Nach und nach waren die Sammlungen durch Schenkungen erweitert worden. Dass der Geist des Historismus in Baden weiterhin präsent blieb, ist daran zu erkennen, dass das heute vor allem auf Volkskunst ausgerichtete Museum nach wie vor von Gönnern und ehrenamtlichen Mitarbeitern engagiert unterstützt wird.

Print-Artikel erschienen am 8. Mai 2013
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7