August Stauda: Hundefuhrwerk, um 1900, Fotografie. - © Foto: Sammlung Christian Lunzer, Wien
August Stauda: Hundefuhrwerk, um 1900, Fotografie. - © Foto: Sammlung Christian Lunzer, Wien

Zu Zeiten der Habsburgermonarchie zählten Fuhrwerke mit vorgespannten Hunden zum alltäglichen Stadtbild Wiens. Bereits auf dem Wien-Plan von Bonifaz Wolmuet aus dem Jahr 1547 sind im Bereich der über den Donaukanal führenden Schlagbrücke (der heutigen Schwedenbrücke) Zughunde mit Karren abgebildet. Bei einer im Jahr 1871 durchgeführten Wiener Verkehrserhebung wurden auf der stark befahrenen inneren Währinger Straße an einem Werktag insgesamt 71 von Hunden gezogene Fuhrwerke gezählt.

Freilich handelte es sich bei solchen Vehikeln um Beförderungsmittel von ärmeren Leuten, insbesondere von Kleinhändlern. Der Hund hatte zumeist eine kräftige Statur, mitunter waren auch zwei oder drei Hunde vorgespannt.

Bei dem hier abgebildeten, nach einer Zeichnung von Leo Elliot angefertigten Holzstich sind gleich mehrere "Wiener Typen" dargestellt: Der ermattete Hundefuhrwerks-Führer fungiert zugleich als "Wassermann". Den Gefährten liefen oft "Wasserbuben" voran, die mit dem Ruf "Der Wassermann ist da" auf dessen Eintreffen aufmerksam machten. In die Häuser getragen wurde das Wasser in hölzernen Butten von den "Wasserweibern".

Die im Jahr 1918 in einem Zeitungsbericht erwähnte "Wasser Kathl" lieferte 30 Jahre lang, von 1860 bis 1890, Trinkwasser, das von öffentlichen Auslaufbrunnen nach Ottakring, Neulerchenfeld und Hernals verfrachtet wurde, in die Wohnhäuser. Für die Anlieferung in ebenerdig gelegene Wohnungen verlangte sie 5 Kreuzer pro Butte, für die Versorgung im 1. Stock 6 Kreuzer pro Butte und für das Hinauftragen des Wassers in höher gelegene Stockwerke bis zu 8 Kreuzer pro Butte.

Was die Hundefuhrwerke anlangt, so setzte sich ab der Mitte des 19. Jahrhunderts der Wiener Tierschutzverein für eine Optimierung der Zustände ein. Infolgedessen wurde 1852 die Misshandlung der Tiere per Gesetz untersagt. 1884 wurde das Anbringen der Deichsel am Zuggeschirr statt am Halsband verfügt und der Wagenführer aufgefordert, sich am Ziehen zu beteiligen. Der Tierschutzverband beklagte jedoch, dass die Polizei Verstöße gegen die Vorschriften nicht exekutierte.

Print-Artikel erschienen am 8. August 2013
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7