Johannes Kepler musste in der von den Bauern belagerten Stadt Linz ausharren. - © Johann Werfring
Johannes Kepler musste in der von den Bauern belagerten Stadt Linz ausharren. - © Johann Werfring

Das Schlossmuseum Peuerbach widmet sich mit seiner dauerhaft installierten Bauernkriegsausstellung einem Ereignis, das sich nachhaltig in das kollektive Gedächtnis der Oberösterreicher eingeschrieben hat und bis heute landesweit für Emotionen sorgt. Dem oberösterreichischen Bauernkrieg von 1626 war eine Aktion vorausgegangen, die als "Frankenburger Würfelspiel" traurige Berühmtheit erlangte. Am 15. Mai 1625 ließ Adam Graf von Herberstorff, der zu jener Zeit als bayrischer Statthalter die Herrschaft über Oberösterreich ausübte, am Haushamerfeld bei Frankenburg in Anwesenheit von Tausenden Bauern aus deren Kreis 36 Personen um ihr Leben würfeln. Die Verlierer wurden (mit Ausnahme eines Begnadigten) an Ort und Stelle erhängt.

Der unerhörte Zorn der Bauern

Der Zorn der Bauern war unerhört. Im Mai 1626 brach schließlich der Aufstand los. Auf der Ledererwiese bei Peuerbach wurden die Soldaten Herberstorffs in einen Hinterhalt gelockt; es war dies der erste Sieg der Bauern. Binnen kurzem eroberten diese fast ganz Oberösterreich.

Graf Herberstorff, der bei der kriegerischen Auseinandersetzung in Peuerbach nur mit Glück hatte entfliehen können, begab sich nach Linz. Dort wurde geargwöhnt, dass die Bauern nun rasch die Stadt belagern würden, Herberstorff selbst äußerte sich zu jenem Zeitpunkt alles andere als optimistisch über seine Lage. Es kam aber anders. Erst mit einiger Verzögerung, nämlich am 24. Juni, begannen die Bauern mit der Belagerung von Linz. Es war dies aber ein schwerer taktischer Fehler, wie sich herausstellen sollte, zumal Herberstorff dadurch genügend Zeit hatte, die Stadt zu befestigen.

Kein Pferdefleisch für Johannes Kepler

Eben zu jener Zeit hielt sich der berühmte Astronom und Mathematiker Johannes Kepler in Linz auf, um dort in einer Druckerei die "Rudolfinischen Tafeln" ins Werk setzen zu lassen. Über sein Ungemach in der belagerten Stadt berichtet Kepler: "Fortwährend wurde das Ohr durch den Geschützlärm, die Nase durch üble Dünste, das Auge durch den Feuerschein bedrängt." Wie überliefert ist, befand sich Keplers Haus anfänglich sogar in dem durch Geschütze bedrohten Bereich, jedoch wurde ihm alsbald ein Quartier in einem weniger gefährdeten Stadtgebiet zur Verfügung gestellt.

Nachdem jedoch im Zuge der Belagerung die Druckerei in Flammen aufgegangen war, kehrte er der Stadt den Rücken. Später resümierte Kepler: "Durch Gottes Hilfe und dem Schutz seiner Engel habe ich die Belagerung 14 Wochen heil überstanden. Ich musste auch nicht Hunger leiden, obwohl ich kein Pferdefleisch kostete, nur wenige teilten dieses Glück mit mir." Weniger Glück hatten die oberösterreichischen Bauern, denn auf sie wartete nach ihrer Niederlage ein unerhörtes Strafgericht.

Print-Artikel erschienen am 22. August 2013
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7