"Unterirdische Bauten", Teilbereich des Brauereikellers St. Marx. - © Thomas Keplinger
"Unterirdische Bauten", Teilbereich des Brauereikellers St. Marx. - © Thomas Keplinger

In unmittelbarer Nähe der heutigen "Wiener Zeitung"-Redaktion in Wien-Landstraße befand sich einst die Brauerei St. Marx. Sowohl der Name des heutigen Redaktionsgebäudes (Media Quarter Marx) als auch die Brauereibenennung gehen auf ein am Standort der Brauerei befindliches mittelalterliches Siechenhaus zurück, das dem heiligen Markus (St. Marx) geweiht war.

Von der Brauerei ist heute nichts mehr zu sehen. Was in Wien kaum bekannt ist: Der weitläufige Keller der einstigen Sankt Marxer Brauerei besteht noch. Die Mitglieder der Vereinigung "Vedevo" haben die unterirdischen Reste nun näher in Augenschein genommen. Unter dem Titel "Die unterirdische Landstraße" haben sie im Bezirksmuseum Landstraße eine Ausstellung gestaltet, in welcher Fotos vom St. Marxer Brauereikeller und von weiteren unterirdischen Orten des 3. Wiener Gemeindebezirks zu sehen sind.

Zugereister Erfolgsunternehmer

"Vedevo" ist die "Vereinigung zur Dokumentation und Erforschung vergessener Orte". Die Mitglieder der Vereinigung, die ihren Sitz in Wien hat, haben eine spezielle Passion: Sie suchen nach Spuren der Vergangenheit, und zwar vor allem im Untergrund.

"Ein Kollege von mir hat sich an einen alten Zeitschriftenartikel über den Brauereikeller erinnert, das war der Anstoß für uns, ihn näher in Augenschein zu nehmen", sagt Thomas Keplinger von Vedevo, der die Ausstellung im Bezirksmuseum kuratiert. Oberhalb von den hallenartigen Kellerräumen befinden sich heute Wohnbauten, die sogenannte Stadtwildnis und eine Schule. Der Brauereikeller steht nun im Eigentum der Stadt Wien, weiß Keplinger zu berichten.

Im Jahr 1857 kaufte der nach Wien zugereiste Adolf Ignaz Mautner, Gründer der Unternehmerdynastie Mautner Markhof, vom Wiener Bürgerspital die Brauerei St. Marx und vergrößerte sie. 1913 kam es zum Zusammenschluss der Brauereien Simmering, St. Marx, und Schwechat, weshalb der Standort St. Marx geschlossen wurde.

"Blick in die gigantischen Hallen", Teil des Brauereikellers. - © Thomas Keplinger
"Blick in die gigantischen Hallen", Teil des Brauereikellers. - © Thomas Keplinger

Bombensichere Rüstungsproduktion

Während des Zweiten Weltkrieges wurden bombensichere Orte für die Rüstungsproduktion gesucht. Infolgedessen brachte man im weitläufigen St. Marxer Braukeller die Firma Siemens-Halske unter. "Der Deckname dieser Verlagerung lautete Maria", erläutert Keplinger. Es habe auch noch eine weitere Untertageverlagerung eines Rüstungsbetriebes an diesem Standort gegeben, jedoch sei nicht bekannt, um welche Firma es sich handelte. Der Deckname des zweiten Rüstungsbetriebes lautete "Alice". Weibliche Decknamen wurden ausschließlich für Verlagerungen in Brauereihallen verwendet.

Was den St. Marxer Brauereikeller betrifft, so ranken sich um die Ausdehnung der Hallen und die Verzweigungen hartnäckige Gerüchte. Angeblich gab es mehrere unterirdische Etagen und Verbindungsgänge bis zur Hofburg. "Bisher konnten wir dafür keine Beweise finden", sagt Keplinger.

Print-Artikel erschienen am 3. Oktober 2013
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7