Seit Oktober 2013 wird das Kaiserhaus in Baden bei Wien, das Franz II./I. (1768–1835) als Sommerresidenz gedient hatte und auch von Karl I. (1887–1922) in den Jahren 1917/18 genutzt worden war, als Museum geführt. Zum Auftakt einer geplanten Ausstellungsserie kuratiert Gerhard Tötschinger unter dem Titel "Die Welt der Habsburger" eine außergewöhnliche Schau mit Figurinen von Helmut Krauhs (1912–1995).

Der in Kaschau (im heute slowakischen Kosice) geborene und nachmals in Wien lebende Künstler Helmut Krauhs hatte im Zweiten Weltkrieg als Offizier gedient. Nach dem Krieg befand er sich in Wels (OÖ) in amerikanischer Kriegsgefangenschaft, wo er mit dem Schnitzen von Figurinen begann. Alsbald brachte er es darin zu einer derartigen Meisterschaft, dass sein künstlerischer Ruf durch halb Europa ging.

Heute sind Figurinen von Helmut Krauhs in zahlreichen wichtigen Museen zu finden, etwa im Heeresgeschichtlichen Museum Wien, im Bayrischen Armeemuseum Ingolstadt, in der US-Militärakademie West Point und im Vatikan. Im Badener Kaiserhaus ist unter anderem der Erbhuldigungszug Kaiserin Maria Theresias zu sehen, der am 22. November 1740 in Wien stattgefunden hatte. Als Vorlage dazu verwendete Krauhs den Kupferstich von Georg Christoph Kriegl.

Tötschinger, der nicht nur zu den ehemaligen Freunden von Krauhs zählt, sondern auch zu den Sammlern seiner Artefakte, stellte bei seiner Eröffnungsrede den hohen künstlerischen Wert der Figuren heraus und appellierte an das Publikum: "Wenn Sie Helmut Krauhs und mir eine Freude machen wollen, dann nennen Sie die Figuren nicht Puppen, sondern Fi-gu-ri-nen."

Fischmarkt-Figurinen von Helmut Krauhs. - © Johann Werfring
Fischmarkt-Figurinen von Helmut Krauhs. - © Johann Werfring

Eine Vielzahl an Figurinen hat militärische Bezüge, aber auch allerlei andere Motive hat Krauhs umgesetzt. Ein im Kaiserhaus aufgebautes Szenario stellt einen Fischmarkt in vorindustrieller Zeit dar. Ein Diener, der hinter seiner vornehmen Dienstherrin mit gefülltem Einkaufskorb einherschreitet, ist Tötschingers Lieblingsfigur. Sowohl der Habitus als auch die Physiognomie des Lakaien sind vielsagend.

Mit seinen Figurinen vermag Krauhs die Welt von Gestern aufs Lebendigste nachzuzeichnen. Nicht nur (kunst-) handwerkliches Können allein, sondern umfängliches Detailwissen, etwa über die Bekleidung früherer Jahrhunderte, und akribische historische Recherche ermöglichten dem vielseitigen Künstler eine Darstellungsweise, die erstaunlich wirklichkeitsgetreu wirkt. Mit seinen Figurinen und historischen Szenarios vermag es Krauhs in hohem Maße, die Lust auf Geschichte anzufachen.

"Er war, was man früher einen Herrn nannte, von vollendetem Benehmen", sagt Tötschinger über Helmut Krauhs, dessen Biografie er ein interessantes Ausstellungskapitel gewidmet hat.

Print-Artikel erschienen am 30. Jänner 2014
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7