Die großformatigen Herrenporträts in der zu Ehren des Prinzen Eugen in dessen Winterpalais veranstalteten Gedenkausstellung faszinieren nicht nur infolge der ansprechenden künstlerischen Gestaltung und der Ausstrahlung der herabblickenden Persönlichkeiten in historischem Ambiente. Es ist durchaus lohnend, auch die Details ein wenig näher in Augenschein zu nehmen.

Das prachtvolle Auftreten der Dargestellten wird nicht unwesentlich durch deren Schuhe unterstützt. Während Herren heutzutage selbst in den nobelsten Schuhgeschäften im Vergleich zur vielfältigen Auswahl an Damenschuhen ein geradezu als mickrig zu bezeichnendes Sortiment vorfinden, konnte der mondäne Mann von anno dazumal aus einem beachtlichen Variantenreichtum seine Auswahl treffen.

Prinz Eugen (1663 bis 1736) präsentiert sich auf dem Gemälde Jacob van Schuppens in einem eleganten weißen Schuh mit edelsteinbesetzter Goldschnalle und rotem Absatz. Louis XIV. (1638 bis 1715), der bis heute als Sonnenkönig in Erinnerung behalten wird, hatte sein Leben lang rote Absätze verwendet, weshalb diese auch in der Wiener Adelswelt als chic galten. Dass der aus dem Orient übernommene Stöckelabsatz in Europa seit dem Anfang des 17. Jahrhunderts immer beliebter wurde, kam dem Prinzen Eugen gerade zupass, konnte er doch mit dessen Hilfe seine kleinwüchsige Statur ein wenig imposanter erscheinen lassen. Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts setzte sich als neues Schuhdesign die gelängte, vorne vollkommen gerade abgekappte Spitze durch, wie sie auf dem Prinzenporträt van Schuppens zu sehen ist.

Kaiser Karl VI. (1685 bis 1740) wählte beim Modellstehen für das von Johann Gottfried Auerbach geschaffene Ölbild schwarze Schuhe, mit denen er als farbliche Abstimmung zur übrigen Kleidung einen auffallenden Kontrast erzielte. Freilich sind auch für ihn rote Absätze obligat. Die ebenfalls roten Laschen der kaiserlichen Schuhe werden von hinreißenden goldenen Schleifen überlagert, die offensichtlich den Verschluss bilden und farblich mit dem Gewand korrespondieren. Ebenso wie der rote Absatz war der kostbare Zierrat dem ersten Stand vorbehalten. Ein weiteres in der Ausstellung präsentiertes Ölgemälde zeigt Kaiser Joseph I. (1678 bis 1711) mit schwarzen Schuhen und reizenden roten Bändern.

Die gewiss auch schönen Schuhe der Damen waren damals noch vom Reifrock verdeckt. Gerade einmal deren Schuhspitzen lugten beim Sitzen, Tanzen oder Treppensteigen ein wenig hervor. Das "Hervortreten" der weiblichen Schuhe sollte noch eine Weile dauern.

Print-Artikel erschienen am 17. April 2014
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7