Theologie mit Flammen: Links der Einzug der Kardinäle ins Konklave, rechts daneben die Verbrennung des Reformers Jan Hus, wie sie die Richental-Chronik überliefert. - © Nationalbibliothek Prag
Theologie mit Flammen: Links der Einzug der Kardinäle ins Konklave, rechts daneben die Verbrennung des Reformers Jan Hus, wie sie die Richental-Chronik überliefert. - © Nationalbibliothek Prag

Sigismund von Luxemburg hatte ein Problem. Der Machthaber Ungarns war im Jahr 1411 zum römisch-deutschen König gewählt worden, nun wollte er auch die Kaiserkrone. Aber welcher der drei damals miteinander konkurrierenden Päpste sollte ihm diese aufsetzen? Wollte Sigismund von der gesamten Christenheit als Kaiser akzeptiert werden, musste davor die Spaltung der römisch-katholischen Kirche überwunden werden.

Das war, kurz gefasst, die Ausgangssituation für jenes legendäre Konzil, das ab dem Jahr 1414 die Stadt Konstanz am Bodensee für vier Jahre zum politischen Zentrum Europas machte. Bis zu 20.000 Besucher sollen in der damaligen 6000-Seelen-Gemeinde gleichzeitig gewohnt haben, geschätzte 70.000 Fremde sollen es insgesamt gewesen sein. Das bedeutete im Spätmittelalter zweifellos eine logistische Herausforderung.

Ein Glaube, verschiedene Stile


600 Jahre danach widmet die Stadt dem Weltereignis einen vier Jahre andauernden Veranstaltungsreigen, in dessen Rahmen nun die Große Landesausstellung von Baden-Württemberg anschaulich in die Konzilsperiode einführt. Größtes Exponat ist der Ausstellungsort selbst: Im sogenannten Konzilgebäude - damals ein direkt am See gelegenes Warenhaus für italienische Kaufleute - fand im Laufe des Konzils die Wahl von Oddo di Colonna zum neuen Papst Martin V. statt. Es war das bisher einzige Konklave nördlich der Alpen.

Das Kuratorenteam des Badischen Landesmuseums stand bei der Zusammenstellung der Schau vor einem Dilemma: Obwohl Konstanz in den Weltkriegen nahezu unversehrt blieb, haben sich in der Stadt selbst nur wenige Objekte aus der Konzilszeit erhalten. Der Großteil der Kunstwerke fiel nämlich bereits im 16. Jahrhundert der Reformation zum Opfer. Der Horizont der Schau geht daher weit über Konstanz hinaus, die Exponate wurden europaweit zusammengetragen.

Der erste Abschnitt führt in das damalige Weltbild ein sowie dessen künstlerische Ausprägungen und Entwicklungen. In Anbetracht der Motivähnlichkeiten bei religiösen Darstellungen aus Nowgorod, Valencia, Prag oder Rom wird klar, dass es beim sogenannten Großen Abendländischen Schisma weniger um unterschiedliche Glaubensauffassungen als vielmehr um rein politische Machtansprüche ging. Im Stil unterscheiden sich die Kunstwerke freilich durchaus. Beispiele liefern vor allem die Marienfiguren im von Prag ausgehenden "Schönen Stil" mit lebensechtem Faltenwurf und stilisierten Gesichtern, eine realistische Darstellung von Christus am Kreuz aus dem Burgund und die klassische Ikonenmalerei aus byzantinisch geprägten Gebieten.