Großriedenthal ist ein beschaulicher Ort. Im Ortszentrum befindet sich ein ansehnlicher Wirtschaftshof aus alter Zeit mit bemerkenswerter Geschichte und Architektur. Einst als Ritteranwesen gegründet, wurde er im 17. Jahrhundert zu einem Großbauernhof umfunktioniert.

Im Jahr 1966 wurde in dem aus der Renaissancezeit stammenden Presshaus ein letztes Mal Wein gekeltert, hernach verfiel das Anwesen in einen jahrzehntelangen Dornröschenschlaf. Es ist ein ausgesprochener Glücksfall, dass das geschichtsträchtige Gebäude dann in die richtigen Hände kam. Im Jahr 1995 erwarb es der ausgebildete Holztechniker Franz Perlaki aus Wien, der im Laufe seines Berufslebens unter anderem in der Entwicklungshilfe und im Baumanagement tätig war.

Die Kombination aus Technikverständnis und Kulturinteresse des neuen Eigentümers kam dem Anwesen sehr zugute. Seit nunmehr zwei Jahrzehnten ist Perlaki damit beschäftigt, das Haus zu revitalisieren. In etlichen Bereichen wurden die von den vormaligen bäuerlichen Besitzern vorgenommenen Umgestaltungen auf die ursprüngliche Form des Ritteranwesens rückgebaut. Im Einvernehmen mit dem Bundesdenkmalamt und weiteren fachlichen Instanzen hat Perlaki uralte Sgraffiti und weitere Besonderheiten freigelegt. Erst kürzlich kam das ritterliche Wappen zum Vorschein, wodurch demnächst die Identität des ursprünglichen Besitzers zu klären sein wird.

Im Zuge der Übernahme des Anwesens entdeckte Perlaki über den ganzen Hof verstreut eine Fülle von bäuerlichen Gerätschaften und sonstigen zurückgelassenen Besitztümern, darunter wunderschöne Kleider aus zwei Jahrhunderten, die von den großbäuerlichen Besitzern getragen worden waren. Aus all dem gestaltete er das "Museum der einfachen Dinge", das im Frühling des Jahres 2001 eröffnet wurde.

Außergewöhnliche Gerätschaften

Weil es sich bei den Bewohnern jahrhundertelang um ausgesprochene Oberschichtenbauern gehandelt hatte, sind die Gerätschaften in entsprechender Fülle und Qualität vorhanden. Objekte wie das hier abgebildete, von Perlaki trefflich als "Muskelwaschmaschine" bezeichnete Gerät, waren freilich nur in Haushalten von betuchten Bauern vorhanden, ebenso die mit Ziegeln beschwerte Bauernbügelmaschine ("Kastenmangel"), mit welcher vor allem große Wäschestücke wie Bettlaken und Tischtücher geglättet wurden.

Im Lauf der Jahre hat sich Museumsgründer Franz Perlaki ein beachtliches Wissen über die im Museum vorhandenen "einfachen Dinge" angeeignet und versteht diese dem Publikum in hinreißender Weise vorzuführen. Ein Ausflug nach Großriedenthal ist also nicht nur der herrlichen und zugleich preiswerten Weine wegen lohnend.

Print-Artikel erschienen am 26. Juni 2014
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7