Das Heimatmuseum Pfaffstätten, von Wien aus in bloß 30 Autominuten erreichbar, bietet eine Reihe interessanter Themenbereiche. Weil im Ort von alters her der Weinbau eine bedeutende Rolle gespielt hat, ist der Kultur des Rebensaftes ein nicht unwesentlicher Teil der Ausstellungsfläche gewidmet.

Eine Serie von Fotografien zeigt die am 5. Juli 1960 in Pfaffstätten erstmals von einem Hubschrauber aus durchgeführte Weingarten-Schädlingsbekämpfung. Wie am Bild sehr leicht zu erkennen ist, bewegte sich der leichtgewichtige Hubschrauber ganz knapp über den Reben. Der Pilot kam ohne Glasabdeckung aus, weshalb man als Betrachter ins Grübeln kommt, ob er bei seinen Rundflügen nicht etwa eine ordentliche Nase vom Bekämpfungsmittel abbekommen hat.

Nützliche und nutzlose Maßnahmen

Der Weingarten, über dem die Aktion stattfand, gehörte dem Stift Lilienfeld. Zuvor war der Hubschrauber laut Infotafel auch schon in den im Nachbarort gelegenen Rieden des Freigutes Thallern im Einsatz gewesen. Pro Stunde war der Pilot in der Lage mit diesem Hubschrauber eine Rebfläche von 10 bis 15 Hektar zu besprühen. Der Antrieb des Helikopters erfolgte über Rückstoßdüsen, die an den Enden der Propeller angebracht waren.

Weil es in Österreich eine vergleichsweise kleinteilige Weinbauwirtschaft gibt und zu jener Zeit nur einzelne Betriebe derart wirtschaftsmächtig waren wie die hier genannten stiftlichen Weingüter, konnte sich die Bekämpfung von Peronospera, Oidium, Springwurm und Co hierzulande nicht nachhaltig durchsetzen. Zum Glück, denn in anderen Ländern, in denen bis heute per Helikopter "Giftbrühen" abgesetzt werden, wird dieses Vorgehen von Umweltschützern heftig kritisiert. In den 1960er Jahren gab es freilich noch keine Sensibilisierung für Umweltbelange, wie das heute der Fall ist, weshalb solche Sprühungen, die auf die "Schädlinge" eine entsprechende Wirkung ausübten, in Pfaffstätten durchaus positiv kommentiert wurden.

Ebenfalls effektiv zum Einsatz kamen anno dazumal in tief gelegenen Weinbergslagen die sogenannten Frostschirme. Im Museum wird heute noch eine Heftmaschine für deren Erzeugung präsentiert. Entworfen und gebaut hatte sie der ortsansässige Weinhauer Josef Schützl. Die für "Stockkultur" konzipierten Frosthütchen leisteten eine Zeit lang recht gute Dienste. Infolge der Umstellung heimischer Rebkulturen auf die "Hochkultur" konnten Frostschirme ab den 1950er Jahren nicht mehr zum Einsatz kommen. Der im Museum als Modell vorhandene "Absauger für atmosphärische Elektrizität" aus den 1950er Jahren, der die Hagelbildung verhindern sollte, stellte sich indes als gänzlich nutzlos heraus.

Print-Artikel erschienen am 3. Juli 2014
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7