Kopernikanische Planetenmaschine (1753) im Naturhistorischen Museum. - © Naturhistorisches Museum Wien
Kopernikanische Planetenmaschine (1753) im Naturhistorischen Museum. - © Naturhistorisches Museum Wien

Zum Glück gibt es zuweilen Mäzene, die ein Herz für die Popularisierung der Wissenschaften haben. Dank einer noblen Gabe in Form einer Erbschaft, die das Naturhistorische Museum Wien Oskar Ermann (1924 bis 2011), Direktor einer Chemiefabrik, zu verdanken hat, konnte das Haus an der Wiener Ringstraße seinen Besuchern zum 125-Jahr-Jubiläum mit einem Digitalen Planetarium ein besonderes Geburtstagsgeschenk verehren.

Die Projektionen in der 8,5 Meter durchmessenden Innenkuppel basieren auf digitalen 3-D-Daten aller bekannter Himmelskörper und können in Echtzeit generiert werden. Der gesamte Einbau fügt sich überraschend gut ins historische Ensemble. Die (permanente) Installation könnte ohne Eingriff in die Bausubstanz wieder abgebaut werden.

Mit einer Reihe von Programmen, die im Saal 16 ab 11 Uhr vormittags jeweils zur vollen Stunde im neuen Planetarium gestartet werden, soll verstärkt auch das junge Publikum angesprochen werden. Neben Themen, die das Gebiet der Astronomie berühren, können auch andere Bereiche, die das Museum traditionell abdeckt, filmisch umgesetzt werden, etwa aus den Disziplinen Biologie, Prähistorie oder Paläontologie. Wie ich mich bei einer Vorführung zum Thema "Das Leben im Weltall" überzeugen konnte, wird die Show auch didaktisch anspruchsvoll dargeboten.

Begibt man sich hernach in den Saal Nr. 5, so wird man dort einer "Kopernikanischen Planetenmaschine" ansichtig, die im Jahr 1753 von dem deutschen Astronomen und Mechaniker Johann Georg Neßtfell (1694 bis 1762) im Auftrag der Kaiserin Maria Theresia angefertigt wurde. Die Planetenmaschine besteht im Oberteil aus einem Planetarium, das die relative Stellung der Planeten und Monde im Sonnensystem zeigt. Im Unterteil befindet sich ein Uhrwerk, das die Maschine antreibt. Die Planetenmaschine diente der Veranschaulichung und Verbreitung des kopernikanischen Weltbilds. Dieses technische Meisterstück dürfte auf die Betrachter der damaligen Zeit eine ebenso faszinierende Wirkung ausgeübt haben, wie das nunmehr im Saal 16 befindliche Digitale Planetarium auf die heutigen Museumsbesucher…

Print-Artikel erschienen am 9. Oktober 2014
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7