Weshalb die Katze in sprachlicher Hinsicht gerade im Zusammenhang mit dem Thema Alkohol so stark präsent ist, erscheint rätselhaft. Oftmals kommt einen nicht die weibliche Katze, sondern der Kater in den Sinn, wenn sich nach maßlosem Alkoholkonsum am folgenden Morgen Ernüchterung einstellt. Der überforderte Organismus zahlt es dem Zecher halt in Form von Mattheit und Niedergeschlagenheit heim!

Aber was, bitte, hat der Kater mit all dem zu tun? Verschiedentlich ist behauptet worden, dass mit "Kater" ursprünglich gar nicht das schnurrende Tierchen, sondern der etwas schlampig ausgesprochene "Katarrh" gemeint sei. Befriedigend erscheint mir diese Erklärung auf keinen Fall, denn ein und dasselbe Phänomen wird zuweilen auch als "Katzenjammer" bezeichnet.

"Katzenlebern" von Dan Piraro. - © Komische Künste
"Katzenlebern" von Dan Piraro. - © Komische Künste

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang jedenfalls die Tatsache, dass die männliche Katze respektive der Kater als Ganzes für den misslichen Körper- oder Geisteszustand herhalten muss, wohingegen die weibliche Katze erst im jammernden Zustand verantwortlich gemacht wird. Womöglich ist aber beim "Katzenjammer" nicht die weibliche, sondern ebenfalls die männliche Katze gemeint? Immerhin schließt ja "die Katze" als Artbezeichnung bekanntlich Manderl und Weiberl dieser Spezies gleichermaßen ein. Im Falle der Katzen ist eben das Gendern noch ein wenig hintennach.

Katzensprung beim Staatsvertrag

Doch zurück zum Thema "Alkohol und Katze": Zumindest beim Wein wird die Katze hierzulande in einer Reihe von Fällen in recht ehrenvoller Weise gewürdigt. Beispielsweise gibt es in Niederösterreich gute Weinbergslagen, die den Namen "Katzensprung" haben, und zwar im Weinviertler Ort Ziersdorf und in Dürnstein in der schönen Wachau. Im Jahr 1955 wurde der "Dürnsteiner Katzensprung" sogar bei den Staatsvertragsfeierlichkeiten als offizieller Staatsvertragswein kredenzt.

Cartoon mit dem Werktitel "Katzeklo" von Oliver Ottitsch. - © Komische Künste
Cartoon mit dem Werktitel "Katzeklo" von Oliver Ottitsch. - © Komische Künste

Auch in Weinkellern kommt den putzigen Tierchen eine positive Rolle zu: Zum einen wird dort, wo es heute noch alte Kellerröhren gibt, der an den Wänden anhaftende Kellerschimmel als "Kellerkatze" bezeichnet – es soll Glück bringen, wenn man eine Münze hineindrückt. Zum anderen ist es Brauch, dass die Winzer auf dem Fass mit dem besten Wein eine schwarze Katzen-Skulptur platzieren.

Die hier abgebildete Klo-Katze wiederum erinnert daran, dass es beim Weintrinken auch fürchterlich stinken kann. Dann nämlich, wenn ein Rebensaft einen Fehlton aufweist, der gemeinhin als "Katzenpisse" bezeichnet wird. Eine solche Beeinträchtigung weist mitunter der Sauvignon Blanc auf.

Print-Artikel erschienen am 30. Oktober 2014
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7