Handy versus Buch. Cartoon von Dominik Joswig. - © Galerie der komischen Künste
Handy versus Buch. Cartoon von Dominik Joswig. - © Galerie der komischen Künste

Die aktuelle Ausstellung der Galerie der komischen Künste mit dem Titel "Cartoons über Weihnachten", die sich inhaltlich größtenteils mit dem gleichnamigen, kürzlich im Holzbaum Verlag erschienen Buch deckt, widmet sich facettenreich einer teils spannungsgeladenen Thematik. Pointiert vermögen die allermeisten Cartoons Augenzwinkern und Nachdenklichkeit zu evozieren. Einen Ausreißer stellen zwei Bilder von Oliver Ottitsch dar, hier wurde wieder einmal in effektheischender Manier die Blasphemiekeule geschwungen.

Manche Cartoons haben zwar recht komische Anklänge, führen aber zugleich vor Augen, wie schwer sich viele hierzulande mit dem Weihnachtsfest tun. Womöglich hängt das damit zusammen, dass Weihnachten in der Form eines besinnlichen Familienfestes – ebenso wie etwa der Valentinstag oder Halloween – kein autochthoner, sondern ein zugewanderter Brauch ist?

Während sich in protestantischen Gebieten Deutschlands schon im 16. Jahrhundert ein weihnachtliches Familienfest mit ausgeprägten Schenkritualen herausgebildet hatte, beging man den Heiligen Abend im katholischen Österreich lange als rein religiöses Fest. Eine winterliche Bescherung für die Kinder gab es anno dazumal lediglich am Nikolaustag. Erst im 19. Jahrhundert gelangte das Ideal eines Familienidylls am Heiligen Abend in unsere Gegend.

Weihnachtsdepression. Cartoon von Anton Heurung. - © Galerie der komischen Künste
Weihnachtsdepression. Cartoon von Anton Heurung. - © Galerie der komischen Künste

Nur schwer ist heutzutage die allgemeine Erwartung totaler Harmonie an diesem einen Abend im Jahr auszuhalten. Obwohl nicht wenige Personen im Jahreskreis Abend für Abend alleine vor der Flimmerkiste oder vor dem Computer zu Hause hocken, fühlen sie sich am Weihnachtsabend erst so richtig allein. Der hier abgebildete Einsame wirkt im Kontext der Ausstellung, als wäre er im Weltgefüge ganz und gar verloren gegangen.

Schemenhafte Gestalt des Christkinds

Während der Trinker im Schnapsglas seinen Einsamkeitsgefährten gefunden hat, freut sich der Bub auf dem anderen Cartoon über ein Kommunikationsgerät, das womöglich später seine soziale Isolation befördern wird. Besser als mit dieser von Dominik Joswig ersonnenen Weihnachtsszene kann man das Dilemma jugendlicher, ja sogar kindlicher Handy-Fixiertheit – verbunden mit Interessensschwund an Literatur und zahlreichen traditionellen Themen – kaum darstellen.

Im Hause Santa Claus. Cartoon von Elisabeth Semrad. - © Galerie der komischen Künste
Im Hause Santa Claus. Cartoon von Elisabeth Semrad. - © Galerie der komischen Künste

Eine ganze Reihe absolut köstlicher Cartoons widmet sich in Ausstellung und Buch – bemerkenswerter Weise – dem (zugewanderten) Weihnachtsmann, wohingegen das (autochthone) Christkind völlig vernachlässigt wird. Es mag dies wohl auch damit zusammenhängen, dass die Vorstellung der Cartoonisten vom Christkind doch nur recht vage ist. Was andererseits aber gerade eine besondere künstlerische Herausforderung sein könnte. In einem ergötzlichen Cartoon von Elisabeth Semrad klingt es zumindest an: Im Hause Santa Claus sitzen Weihnachtsmann-Papa, Weihnachtsmann-Mama und Weihnachtsmann-Kind zusammen. Das Kind weint, nachdem es gerade erfahren hat, dass es das Christkind gar nicht gibt . . .

Buchtipp: Clemens Ettenauer und Johanna Bergmayr (Hg.): Cartoons über Weihnachten, Holzbaum Verlag, Wien 2014, Hardcover, 80 Seiten, ISBN 978-3-902980-17-5, Preis: 19,95 Euro.

Print-Artikel erschienen am 18. Dezember 2014
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7