Nachdem die "Komischen Künste im MuseumsQuartier" in den vergangenen Jahren zu allerlei Themen wie Schwarzer Humor, Katzen oder Weihnachten zahlreiche ergötzliche Cartoons präsentierten, wenden sie sich nun dem Veganismus zu. Im Gegensatz zu vergangenen Präsentationen, bei denen viele Artefakte mit geistreichen Ideen gekoppelt gewesen sind, wurde nun das Thema nur mäßig ausgelotet. Ganz deutlich ist zu spüren, dass sich die meisten Cartoonisten nicht in den Gegenstand ihres künstlerischen Tuns vertieft haben. Bei entsprechend tiefschürfender Recherche hätte der in vielerlei Hinsicht als überspitzt empfundene Veganismus eine enorme Bandbreite an kompositorischen Möglichkeiten geboten.

Besonders gelungen ist indes der hier abgebildete Cartoon von Johann Mayr, der geradewegs an sublime frühneuzeitliche Eulenspiegel-Sujets mit hoher Schöpfungskraft anknüpft. In schmunzelig-spitzfindiger Weise wird den Rezipienten vor Augen geführt, dass ein konsequenter Veganismus (menschliches Dasein ohne Verursachung jeglichen Tierleids) gar nicht möglich ist.

An dieses gewitzte Bildnis vom "vegangen Autofahren" lässt sich freilich eine Kette von entsprechenden Assoziationen knüpfen. Beispielsweise könnte man nachgrübeln, ob das Leben eines an der Scheibe eines Automobils zerschellten Insekts oder eines unabsichtlich zertretenen Wurms einen geringeren Wert hat als jenes eines geschlachteten Huhns oder Schweins. Haben die in Biokirschen (unsichtbar) enthaltenen Eier der Kirschfruchtfliege – die wohl auch von den in hohem Maße auf ökologische Nachhaltigkeit bedachten Veganern zuhauf konsumiert werden – in ethischer Hinsicht einen anderen Stellenwert als Hühnereier?

Cartoon zum Thema vegane Ernährung von Jan Kunz. - © Komische Künste
Cartoon zum Thema vegane Ernährung von Jan Kunz. - © Komische Künste

Flüssiges Fleischverbot

Apropos Hühnereier: Es gibt hierzulande eine nicht geringe Anzahl von Personen, die sich fleischlos ernähren, jedoch nicht auf Eier (ebenso nicht auf Milch und Honig) verzichten wollen. Konsumenten mit solchen Essgewohnheiten gelten als Vegetarier. Nicht wenige Vegetarier haben in den vergangenen Jahren den Fleischkonsum aufgegeben, nachdem ihnen filmisch die schreckliche Massentierhaltung und das industrielle Schlachten von Tieren näher gebracht worden war. Wie zu beobachten ist, entwickeln manche eine regelrechte Aversion gegen Fleisch. Gewiss würden etliche von ihnen auch den Konsum von Eiern einstellen, würde man ihnen dazu ein spezielles Gedankenmuster von anno dazumal erläutern: Das Verbot des Eierverzehrs in Fastenzeiten wurde theologisch damit begründet, dass ein Ei auch nur "flüssiges Fleisch" sei ("Ovum enim nihil aliud est quam caro liquida").

Laut Schätzungen der Veganen Gesellschaft Österreich (VGÖ) leben in Wien derzeit rund 200.000 Vegetarier und 20.000 Veganer. Dieser Umstand beginnt zunehmend bei der Partnerwahl eine Rolle zu spielen. Jan Kunz hat sich mit seinem Cartoon in trefflicher Weise darüber Gedanken gemacht.

Print-Artikel erschienen am 29. Jänner 2015
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7