Salzburg. 13. März 1965: Da war urplötzlich Leben im verschlafenen Nachkriegs-Salzburg. Die Beatles waren im Anflug! Die jungen Leute teilten sich in zwei Fraktionen. Die größere waren die Beatles-Enthiusiasmierten. Im Walkjanker (Burschen) oder mit frisch ondulierten Haaren (Mädchen) hießen sie ihre Idole am Flughafen Maxglan willkommen.

Es gab aber auch echte Miesepeter, die auf dem Flughaften mit dem Schriftzug "Beatles go home" oder "Verstärkung für den Alpenzoo" gegen den Zeitgeist löckten. Eberhard Stüber, der es später zum Chef vom "Haus der Natur" bringen und als Umwelt-Anwalt Salzburg weiterhin rein halten sollte, war damals Lehrer-Ausbildner und hieß seine Zöglinge gegen die Pilzköpfe demonstrieren. Sogar eine Blasmusik schickte man ins Rennen, zum akustischen Wegpusten des neuen Musikgeistes. Einer der Anti-Beatles-Demonstranten war Albert Hartinger, später Gründer und Leiter der Salzburger Bachgesellschaft. Der arme Kerl muss sich die Hänselei deswegen noch jetzt bei jedem runden Geburtstag anhören.

Ganz nahe dabei war Christian Skrein, damals gerade noch nicht zwanzig, aber schon Pressefotograf. Er war den Beatles sympathisch. Ein "cooler Typ", befanden sie. Deshalb durfte er in Salzburg ganz nahe ran. Sein Bild, wie die Beatles in Salzburg aus dem Flugzeug steigen, ist über siebenhundert Mal reproduziert worden.

Gutbürgerliche Stars


Die Beatles kamen damals, weil einige Szenen zum legendären Film "Help!" in Obertauern gedreht wurden. Während die jungen Herren in Sachen Musik-Movie arbeiteten, gab es für die Frauen der Beatles ein Programm. Schifahren natürlich. Wir wundern uns: Die Mitglieder der Boygroup aus Liverpool waren damals gutbürgerlich verheiratet. Alle vier.

Aufs Skifahren verstanden sich die Beatles nicht so gut (nur John Lennon war schon mal auf Skiern gestanden). Deshalb wurden viele Szenen gedoubelt - und manche auch wieder verworfen. "Help" kam im Sommer des gleichen Jahres heraus. Seine Österreich-Premiere (mit dem Titel "Hi-Hi-Hilfe") hatte der Streifen im Jänner 1966 in Wien.

Vierzig Vintage-Prints von Christian Skrein jetzt im Salzburg Museum: Während der Pressekonferenz der Beatles im Österreichischen Hof auf den Tisch geklettert, einer der Pilzköpfe gibt ein Autogramm auf ihr Gipsbein. Vor dem Terrassenfenster des "Österreichischen Hofs" drängen sich die begeisterten Jugendlichen, und John Lennon gibt mit exaltierter Geste dem Affen Zucker. In der Popszene hat man sich schon damals gekonnt selbst inszeniert.

Schade, dass man in der Ausstellung die Filmszenen aus Obertauern nicht zeigt. Dafür hätte man wegen der Filmrechte bezahlen müssen, heißt es. Ein Sparen am falschen Platz.

Christian Skrein hat mit seinen Beatles-Pressefotos Werke geschaffen, die sich unterdessen in den Fotosammlungen von Museen behaupten. 1965 war für ihn ein tolles Jahr: Er war mit der Kamera auch vor Ort, als am 17. September in der Wiener Stadthalle die Emotionen des Publikums beim ersten Konzert der Rolling-Stones in Österreich schier überkochten. Als die Beatles anlässlich der "Help!"-Dreharbeiten in der Pension "Marietta" in Obertauern ein Konzert gaben, war deutlich weniger los.