Carl Ludwig Hoffmeister: Das Attentat auf Kronprinz Ferdinand am 9. August 1832 in Baden bei Wien, Bilderuhr, 1833. - © Johann Werfring
Carl Ludwig Hoffmeister: Das Attentat auf Kronprinz Ferdinand am 9. August 1832 in Baden bei Wien, Bilderuhr, 1833. - © Johann Werfring

Österreichs Thronfolger lebten gefährlich. Viel weniger bekannt als der Mordanschlag auf den Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo ist das Attentat auf Kronprinz Ferdinand in Baden bei Wien am 9. August 1832. Ferdinand, der Sohn des "guten" Kaisers Franz II./I., der damals zusammen mit der kaiserlichen Familie in Baden zur Sommerfrische weilte, machte an jenem Tag gemeinsam mit seinem Dienstkämmerer einen Spaziergang in Richtung Helenental, als ihn plötzlich in der Bergstraße (heute Marchetstraße) ein Mann attackierte.

Bereits am folgenden Tag berichtete die "Wiener Zeitung" darüber: "In der Bergstraße (...) feuerte ein pensionirter Hauptmann, Nahmens Franz Reindl, ein Terzerol (eine kleine Vorderladerpistole) auf den König ab. Die Kugel traf Denselben auf dem linken Schulterblatte, erstarb aber glücklicher Weise in dem Futter des Ueberrockes, und verursachte daher nur eine leichte Prellung." Drei in der Nähe befindliche Männer stürzten sich sogleich auf den Attentäter, bändigten ihn und brachten ihn zum Verhör ins Badener Rathaus.

Ludwig Beyfuss: Der Anschlag auf Kronprinz Ferdinand in Baden bei Wien (Ausschnitt), 1833. Drei Männer überwältigen den Attentäter, der Kronprinz und sein Begleiter beobachten das Geschehen. - © Johann Werfring
Ludwig Beyfuss: Der Anschlag auf Kronprinz Ferdinand in Baden bei Wien (Ausschnitt), 1833. Drei Männer überwältigen den Attentäter, der Kronprinz und sein Begleiter beobachten das Geschehen. - © Johann Werfring

Das Auge Gottes über der Kurstadt

Wie sich herausstellte, hatte der früh pensionierte Hauptmann bei Ferdinand um die Zuerkennung von 900 Gulden angesucht, jedoch von diesem nur ein Gnadengeschenk von 100 Gulden erhalten, weshalb er in Zorn geraten war und auf Rache sann. Die hier abgebildete Bilderuhr von Carl Ludwig Hoffmeister, die gemeinsam mit dem Ölgemälde von Ludwig Beyfuss den Auftakt der St. Pöltner Wallfahrtsausstellung bildet, illustriert die Errettung Ferdinands, wie sie alsbald in der Öffentlichkeit dargestellt wurde: nämlich als Wunder. Während der Attentäter überwältigt wird, tut sich der Himmel auf und es kommt das Auge Gottes zum Vorschein, dessen Strahlen schützend auf den habsburgischen Kronprinzen hernieder scheinen. Das Bild von Beyfuss indes geht stärker auf die Überwältigung des Attentäters ein. Ferdinand, der spätere Kaiser, dem der Beiname "der Gütige" zugelegt wurde, hatte sich gnädig dafür eingesetzt, dass jener begnadigt und zu lebenslangem Arrest beim Festungsbau verurteilt wurde.

Wenig später erkrankte Ferdinand so schwer, dass ihm die Sterbesakramente verabreicht wurden und die Ärzte die Hoffnung bereits aufgegeben hatten. Als sich der Thronfolger wider Erwarten doch noch erholte, führte man das abermals auf himmlische Hilfe zurück. Zum Dank für seine Errettung unternahm Ferdinand im Jahr nach dem Anschlag eine Wallfahrt nach Mariazell.

Aus Anlass seiner Dankeswallfahrt beauftragte er den Maler Eduard Gurk mit der bildlichen Dokumentation der wunderbaren Landschaft entlang des Wallfahrtsweges von Wien nach Mariazell. Die herrlichen Aquarelle – insgesamt 40 an der Zahl – sind nun in der Ausstellung zu bewundern.

Bei einer späteren Wallfahrt nach Mariazell opferte die Ehefrau Ferdinands der Gnadenkirche einen Eichenzweig in Gold, worin das im Jahr 1832 auf ihn abgefeuerte Projektil eingearbeitet war. Nachdem Ferdinand den Kaiserthron bestiegen hatte, führte er die Tradition seines Vaters, die Sommerfrische in Baden zu verbringen, nicht mehr fort, was für die Kurstadt südlich von Wien gewiss kein Vorteil gewesen ist.

Print-Artikel erschienen am 19. März 2015
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7