Das "Wiener Wohlmuth Terzett" war schon in den 1930er Jahren aktiv und setzte seine Karriere nach dem Zweiten Weltkrieg fort. - © Bezirksmuseum Simmering
Das "Wiener Wohlmuth Terzett" war schon in den 1930er Jahren aktiv und setzte seine Karriere nach dem Zweiten Weltkrieg fort. - © Bezirksmuseum Simmering

Franz Wohlmuth darf in der jüngeren Musikgeschichte von Wien-Simmering zu den bemerkenswerten Persönlichkeiten gezählt werden. Seine Karriere begann Anfang der 1930er Jahre, mitten in der Weltwirtschaftskrise, als er gemeinsam mit Hans Kafka und Hans Steiner in Wien als Straßensänger auftrat. Nachdem das Trio am 11. Juli 1931 vor 18.000 jubelnden Zuschauern in Weigls Dreherpark in der Schönbrunner Straße den ersten Preis als bestes Gesangsterzett davongetragen hatte, begann eine umfängliche künstlerische Reisetätigkeit: In vielen europäischen Großstädten vermittelten sie nun dem Publikum mit ihrem Gesang eine Ahnung vom Wiener Lebensgefühl.

Nachdem das Ensemble (teils durch tragische Umstände) aufgelöst worden war, gründete Wohlmuth gemeinsam mit seiner Ehefrau Elsa, einer Groteskkomikerin, und seiner Simmeringer Jugendfreundin Angela Bauer das "Wiener Wohlmuth Terzett", das sowohl vor als auch nach dem Zweiten Weltkrieg von Land zu Land ziehend Erfolge feierte. Franz Wohlmuth wird bis heute auch als Komponist zahlreicher Wienerlieder in Erinnerung behalten.

Eine Fiakerfahrt ohne Pferde

Die schillerndste in der Ausstellung präsentierte Persönlichkeit ist Antonia Lautenschläger (1859–1910), nach der in Simmering heute eine Gasse benannt ist. Aus einfachen Verhältnissen stammend, schaffte sie den Aufstieg in höhere soziale Sphären.

Erfolgreiche Sängerin und Wohltäterin aus Simmering: Antonia Lautenschläger. - © Bezirksmuseum Simmering
Erfolgreiche Sängerin und Wohltäterin aus Simmering: Antonia Lautenschläger. - © Bezirksmuseum Simmering

Wie überliefert ist, wurde Johann Brandl, Kapellmeister am Wiener Carltheater, auf den unbekümmerten Gesang des Mädchens in seinem Wohnhaus aufmerksam. Brandl, der das Talent der "Toni" sofort erkannt hatte, übernahm kostenlos die Gesangsausbildung der in Simmering geborenen Greisslertochter. Schon nach wenigen Monaten war sie in den Chor des Carltheaters in der Leopoldstadt eingegliedert. Alsbald übertrug man ihr auch Titelrollen, schließlich wechselte sie zur Operette und von dieser zur Oper. Als Antonie Schläger feierte sie in der Wiener Hofoper wahre Triumphe.

Als sie infolge von Dickleibigkeit nach 14jähriger Bühnenpräsenz abtrat, waren bei ihrem letzten Auftritt vier Erzherzöge zugegen. Nachdem sie an jenem Abend das Opernhaus verlassen hatte, spannten Zuschauer die Pferde ihres Fiakers aus und zogen die Künstlerin, die freilich zu Tränen gerührt war, bis zu ihrem Wohnhaus.

Schon während ihrer aktiven Zeit als Sängerin hatte sie sich immer wieder als Wohltäterin erwiesen, indem sie Konzerte zugunsten von Not leidenden Simmeringern ausrichtete. Wie berichtet wird, verhalf sie mehrfach armen Simmeringern zu einem Quartier. Als ihr "Entdecker" Johann Brandl erkrankte, nahm sie ihn bei sich auf und pflegte ihn bis zu seinem Tod. Die herzensgute Simmeringerin und Ehefrau eines Barons verschied am 29. August 1910.

Print-Artikel erschienen am 9. April 2015
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7