Erzherzogin Sophie von Österreich (1855–1857) am Totenbett, Aquarell auf Papier. Barabás Miklos, 1857. - © Neumeister Auktionen / Chr. Mitko
Erzherzogin Sophie von Österreich (1855–1857) am Totenbett, Aquarell auf Papier. Barabás Miklos, 1857. - © Neumeister Auktionen / Chr. Mitko

Es waren hochdramatische Stunden im Leben der Kaiserin Elisabeth: Ihr geliebtes Kind lag, mit dem Tode ringend, im Bett. Wie Michael Wohlfart, Kurator der Kaiserappartements in der Wiener Hofburg, zu berichten weiß, war die zweijährige Sophie an der Ruhr erkrankt und infolgedessen regelrecht ausgetrocknet. Die Kaiserin, die verzweifelt versuchte, ihr Kind zu animieren, musste mit ansehen, wie sich dieses mit seinen fragilen Händchen unablässig Hautfetzen von den Lippen zupfte. Als sich abzeichnete, dass es keine Hilfe mehr gibt, drückte Kaiser Franz Joseph der in den letzten Zügen liegenden Erzherzogin ein Kreuz in die Hand.

Sophie war das erstgeborene Kind von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth. Sie erblickte am 5. März 1855 das Licht der Welt und wurde nach der Mutter ihres Vaters, Erzherzogin Sophie, benannt. Als das Kaiserpaar 1857 eine Reise nach Ungarn unternahm, wollte sich Elisabeth nicht so lang von ihren Kindern trennen. Auf ihren Wunsch wurden die erstgeborene Sophie und deren Schwester Gisela mitgenommen. Auf der Reise erkrankten beide Mädchen an Durchfall. Während sich Gisela bald erholte, starb Sophie nach elfstündigem Todeskampf in den Armen ihrer Mutter.

Sisi war damals 20 Jahre alt. Wie überliefert ist, konnte sie diesen Verlust kaum verwinden. Als unmittelbare Folge dieser Tragödie überließ die Kaiserin die Agenden der Kindskammer ihrer Schwiegermutter Sophie, die sich fortan um Gisela und den 1858 geborenen Kronprinzen Rudolf kümmerte. Erst als 1868 das vierte Kind, Marie Valerie, geboren wurde, hatte die Kaiserin nach eigenen Angaben "die Kraft und den Mut dieses Kind zu lieben und bei sich zu behalten".

Das Glück des jungen Kaiserpaares

Für das junge österreichische Kaiserpaar war es zweifellos die Krönung seines Glückes gewesen, als Sophie zur Welt kam. Völlig unüblich für damalige Verhältnisse, war Franz Joseph sogar bei deren Geburt zugegen gewesen. Wie aus Briefen seiner Mutter hervorgeht, legte der Monarch dem Kind gegenüber ein Verhalten an den Tag, wie man es von ihm nicht gewohnt war; dem Vernehmen nach gebärdete er sich geradezu wie eine Kindfrau.

Auch auf Sisi hatte das Kind eine ungewöhnliche Wirkung. Sophie habe es mit ihrer fröhlichen Wesensart vermocht, die Kaiserin aus ihrer Melancholie herauszuholen, so Wohlfahrt. Nach dem Tod der kleinen Erzherzogin habe sich deren Schwermut beträchtlich gesteigert.

Nach dem Hinscheiden Sophies in Buda reiste die Kaiserfamilie ab, das tote Kind wurde erst später in die kaiserliche Residenzstadt überstellt. Für die Kaiserin ließ Graf Karl Ludwig Grünne unaufgefordert ein Porträt der Erzherzogin Sophie auf dem Totenbett anfertigen. Elisabeth führte das Stehbild oft mit sich und stellte es in ihren Wohngemächern auf. Zuletzt befand es sich in der Wiener Hermesvilla.

Das Aquarell wurde 2014 gemeinsam mit acht anderen Bildern aus kaiserlichem Nachlass von der Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H. beim Aktionshaus Neumeister in München angekauft. Mit deren Erwerb im Gesamtwert von 158.115 Euro sei "ein wirklich großer Wurf gelungen", sagt Franz Sattlecker, Geschäftsführer der Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H. Bis 15. November 2015 werden die Bilder nun gemeinsam im Rahmen einer Sonderausstellung gezeigt, sodann werden sie verteilt auf Räume in der Hofburg und im Schloss Schönbrunn zu deren ursprünglichem Flair beitragen.

Print-Artikel erschienen am 25. Juni 2015
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7