Dass die technischen respektive digitalen Innovationen der vergangenen Jahrzehnte auch das Verhältnis vieler Herrln und Frauerln zu ihren bellenden Vierbeinern beeinflusst hat, ist in der Ausstellung im MuseumsQuartier durch zwei köstliche Cartoons von Oliver Ottitsch und Lilli Bravo visualisiert. Ottitsch hat für jene, die häufig durch den Harndrang ihrer Hunde die spannendsten Momente ihrer Lieblings-Fernsehsendungen verpassen, eine zwar wenig praktikable, aber dennoch geniale Lösung ersonnen.

Während sich der tierische Liebling des Patschenkinobesuchers immerhin einer gewissen Obsorge erfreuen kann, fristet der Familienhund auf Lilli Bravos Bild ein viel traurigeres Leben. Sein Dasein scheint alleine darauf ausgerichtet zu sein, den Kindern auf ihren Facebook-Seiten möglichst viele "Likes" einzubringen und damit deren Selbstbewusstsein zu stärken. Als das Interesse der Community für die Hundefotos eines Tages nachzulassen beginnt, beschließen die Kinder, den Hund ganz einfach auszusetzen.

- © Komische Künste / Cartoon von Lilli Bravo
© Komische Künste / Cartoon von Lilli Bravo

Die in dem Cartoon dargestellte Herzlosigkeit der Kinder wird indes bei so manchen hundefreundlichen Facebook-Postings bei Weitem übertroffen. Auf der Seite "Streunerparadies" findet sich ein Posting vom 27. Juni 2015 mit einem Bild, auf dem ein kleines chinesisches Mädchen zu sehen ist, das um einen (mit abgebildeten) geschlachteten Hund trauert. Das entsprechend kommentierte Bild wurde mehr als tausendmal "geteilt", rund fünfhundert "Freunden" "gefällt das". Ein Hunde-"Freund", vermerkt im darunter befindlichen Kommentarfeld: "drecks japsen volk" (knapp 200 "Freunden" "gefällt das"). Dazu "Streunerparadies": "In Japan isst man keine Hunde" (knapp 40 "Freunden" "gefällt das").

Schaut man sich auf dieser und auf weiteren Facebook-Seiten um, so stößt man auf mannigfaltige Hundesujets, die gelobt, beschimpft, verherrlicht oder verdammt werden. Wer sich für Hunde interessiert, kann sich in der "schönen neuen Facebook-Welt" nach Belieben bedienen lassen. Einmal wird mit einem drolligen Sprücherl der Hundehimmel beschworen ("gelikt" von tausenden Daumen), ein andermal werden Hundeheldentaten belobigt, und bei weiterer Gelegenheit werden Hundekümmernisse aus aller Herren Länder vorgeführt.

Ebenso wie im Falle der Facebook-Katzen haben sich die Social-Media-Hunde bestens in die neue Beliebigkeit eingefügt. Es scheint völlig egal zu sein, was daherkommt, ein paar hundert "Likes" gehen sich immer aus.

Print-Artikel erschienen am 9. Juli 2015
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7