Johann Faust, ein schwindliger Gesell
Johann Faust, ein schwindliger Gesell

(rat) Im Grunde ist Dr. Faust ein katastrophaler Kerl, der sich und anderen in beispielloser Selbstvernichtungs-Raserei Leiden zufügt. Durch die Literatur geistert er seit dem 16. Jahrhundert: Ein gewisser Johann Georg Faust (ca. 1480 bis 1541), der als Alchimist, Magier und Philosoph durch Deutschland zog, gilt gemeinhin als Vorlage für die gleichnamige Sagenfigur. Goethe hat seine bedeutendste Bühnenfigur also aus dem finsteren Mythenarchiv hervorgehoben. In einem mehr als drei Jahrzehnte währenden Arbeitsprozess hat der Dichterfürst aus dem schwindligen Gesellen jenen Heinrich Faust erschaffen, der einen Gipfel deutscher Dramenliteratur darstellt. Bei Goethe wird Faust zu einem von Erkenntnisgier befallenen Gelehrten, der dem Teufel seine Seele verspricht, wenn es Beelzebub gelingen sollte, den Universalisten von der Unzufriedenheit zu befreien. Seit Goethes Tragödie 1808 erschienen ist, ist der Strom an Faust-Adaptionen nicht mehr versiegt, wobei zu den bedeutendsten wohl Thomas Manns Roman "Dr. Faustus" (1943) zu zählen ist.

Zum Thema: Typisch Mann, typisch Faust