(fib) Österreich hat eine neue Leitende Korruptionsstaatsanwältin: Mit Ilse-Maria Vrabl-Sanda (49) steht erstmals eine Frau an der Spitze der seit 2009 existierenden Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA). Bis zuletzt war Vrabl-Sanda Vizechefin und Mediensprecherin der Oberstaatsanwaltschaft Wien. Bevor sie die Fronten wechselte, war sie 14 Jahre lang (1992 bis 2006) als Richterin tätig, zuletzt im "Grauen Haus", dem Straflandesgericht Wien. Im Rennen um die Leitung der WKStA setzte sie sich gegen den Präsidenten der Staatsanwälte-Vereinigung Gerhard Jarosch und die beiden WKStA-Mitglieder Eberhard Pieber (Vizeleiter) und Johann Fuchs durch. Justizministerin Beatrix Karl bezeichnete die von ihr ernannte Kandidatin als eine "höchst kompetente und erfahrene Leiterin", die durch ihre langjährige Erfahrung als Mediensprecherin auch die nötige Kompetenz in Sachen Öffentlichkeitsarbeit für diese exponierte Position mitbringe.

Ilse-Maria Vrabl-Sanda folgt auf Walter Geyer. - © BMJ
Ilse-Maria Vrabl-Sanda folgt auf Walter Geyer. - © BMJ

Standhaft im Sumpf


In ihrer neuen Position wird Vrabl-Sanda eine Anklagebehörde mit zurzeit 19 Korruptionsstaatsanwälten leiten. Insgesamt sollen es 37 bis 40 werden: Ab 2013 sollen 30 neue Stellen gezielt zur Korruptionsbekämpfung geschaffen, ein Teil werde der WKStA zugutekommen, kündigte Karl in einer Aussendung am Freitag an.

Um im Korruptionssumpf nicht unterzugehen, braucht es nicht zuletzt Standhaftigkeit. Diese hat Vrabl-Sanda in ihrer Position als Erste Oberstaatsanwältin im März 2012 bewiesen, als sie trotz vehementer Kritik aus dem ÖVP-Klub an ihren Vorwürfen am ÖVP-Abgeordneten Werner Amon festhielt. Die Vorgeschichte: Im U-Ausschuss wurde bekannt, dass ÖVP-Fraktionsführer Amon unter dem Verdacht der Geldwäscherei steht. Daraufhin attackierten Amon und Kopf die Ermittler, und Vrabl-Sanda konterte: Dass man jene, die eine Gefahr für den eigenen Standpunkt darstellen, in ein schlechtes Licht rückt, schade "nicht nur der Gerichtsbarkeit, sondern überhaupt allen Säulen des Rechtsstaats".

Damals sagte sie in ihrer Position als Leitende Staatsanwältin, ihre Behörde könne "diesem Druck standhalten" und nannte die Fähigkeit, mit solchen Belastungen umzugehen, als "Aufnahmekriterium" für den Dienst in einer Anklagebehörde.

Vrabl-Sanda folgt mit 1. Dezember Walter Geyer nach, der die WKStA seit ihrer Gründung 2009 leitete. Am Freitag feierte er seinen 65. Geburtstag und verabschiedet sich damit in den Ruhestand.