Der Donnerstag hätte ein großer Tag für Laurence Abeille und für die elektromagnetische Strahlung werden sollen. Groß ist vielleicht das falsche Wort - symbolisch würde es eher treffen - doch nicht einmal das war Abeille vergönnt.

Die grüne Abgeordnete im französischen Parlament hat einen Gesetzesvorschlag eingebracht, der erstmals umfassend die zulässige elektromagnetische Strahlung regeln sollte. Abeille, die auch Stadtplanungsrätin des Pariser Vororts Fontenay sous Bois ist, hat darin viel vor:

Wireless Lan sollte in Kindertagesstätten verboten werden und in Bildungseinrichtungen kabelgebundene Internetanschlüsse den Vorzug haben. Eine Studie sollte feststellen, wie sehr strahlungssensible Personen in ihrer Arbeit eingeschränkt werden. Der Gesetzesentwurf widmete sich auch den Femtozellen, also Mini-Funkstationen mit denen Mobilfunkanbieter in den Heimen von Kunden ihr Netz erweitern - manchmal auch ohne deren Wissen. Letztlich sollte der Grundsatz des "As Low As Reasonably Achievable" (so niedrig wie vernünftigerweise erzielbar) für Elektrosmog gesetzlich festgeschrieben werden.

Doch die großen Pläne kappte der zuständige Wirtschaftsausschuss im Parlament. Übrig blieben lediglich ein paar symbolische Punkte: WLan-Router sollen über Ein- und Ausschaltknöpfe verfügen und die Stärke des Strahlungsfeldes modulierbar sein, um der Überflutung der Nachbarschaft mit Strahlung Einhalt zu gebieten. Auch eine Strahlungswarnung in Werbungen war vorgesehen.

Trotz der Verstümmelung ihres Antrags fand Abeille etwas Positives: "Immerhin ist es ein erster Schritt", sagte die 52-Jährige. Doch auch der bleibt ihr vorerst verwehrt: Medienberichten zufolge ist der Gesetzesentwurf am Donnerstag zurück an den Ausschuss geschickt worden.

Dass dem Gesetzesprojekt beträchtliche wirtschaftliche Interessen entgegenstehen, erklärt sich von selbst. In der Politik ist die Staatssekretärin für digitale Wirtschaft, Fleur Pellerin, die prominenteste Gegnerin des Gesetzesentwurfs. Es würde "irrationale Angst" geschürt, zumal die Schädlichkeit der Strahlung nicht wissenschaftlich erwiesen sei. Allerdings besagt ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO, dass elektromagnetische Strahlung, die für Handys notwendig ist, potenziell Krebs erregt. Der Bioinitiativ-Bericht einer internationalen Expertengruppe geht sogar noch weiter und stellt fest, dass die folgen von Gehirntumoren über Leukämie bis hin zu verringerter Fruchtbarkeit reichen. Selbst Pellerin hat offenbar Bedenken: Sie forciert Freisprechanlagen für Handys, um die Strahlenaussetzung zu reduzieren.