Wie geht sie damit um, den ganzen Tag inmitten eher abschreckender Exponate zuzubringen? "Für mich ist jedes Exponat ein Patient. Jeder Mediziner hat einen Tick im Hirn, das ist der Helferwahn. Wer meinen Präparaten etwas zuleide tun will, der wird entfernt", sie lacht. Die Frau Doktor selbst wurde vom Helfersyndrom allerdings erst während des Turnus befallen. Bei einer Berufsberatung beim "bfi" hatte man ihr seinerzeit nach einem Computertest bescheinigt, dass sie absolut ungeeignet für soziale Berufe und den Kundenkontakt sei. Dabei, so bemerkt Patzak amüsiert, sagt man ihr nach, dass sie ein sehr kommunikativer Mensch sei.



Der unheimliche Patient


Das liebste Exponat sei ihr immer jenes, welches sie zuletzt in den Händen hatte. Derzeit ist das die Dame mit dem Loch im Magen, die sie auch bei ihrem Vortrag am 23. Juli vorstellen wird. "Die Frau hat ihr Leben über 30 Jahre mit einem Loch in der Bauchwand verbracht, in das man zeitweise zweieinhalb Finger stecken konnte. Das ist doch faszinierend in der heutigen Zeit, in der die Medizin glaubt, alles und alle heilen zu müssen."

Die Vorträge von Beatrix Patzak, bei denen sie ausgewählte Präparate wie bei einer medizinischen Vorlesung vor 200 Jahren einer interessierten Zuhörerschaft präsentiert, gehören zu den absoluten Höhepunkten der sommerlichen Veranstaltungsreihe im Narrenturm. Es fasziniert die Frau, der nichts Menschliches fremd zu sein scheint, wie sehr sie die Menschen damit beeindruckt und sie berichtet, wie die Zuhörer mit offenem Mund staunend ihren Ausführungen folgen: "Von den meisten sehe ich eineinhalb Stunden nur die Zäpfchen."

Die Sommerveranstaltungen, die heuer zum siebenten Mal stattfinden, haben den Narrenturm ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht und so scheint die Zukunft des Narrenturms nicht mehr ganz so trüb zu sein. Derzeit laufen Verhandlungen mit dem Ministerium, über konkrete Pläne will und darf sie nicht sprechen. Beatrix Patzak, die den Betrieb mit vier Mitarbeitern aufrecht erhält, will jedenfalls ein Museum zum Angreifen, familiär scheint ihr dann doch nicht der richtige Ausdruck zu sein. Die Sommerveranstaltungen hätten geholfen fürs Selbstverständnis, meint sie, und sie waren der öffentlichen Diskussion zuträglich. Es sei nicht einfach, für das Museum Stimmung zu machen: "Es ist doch eine recht grausige Sammlung, mit der sich niemand auseinandersetzen will, und sie eignet sich schlecht als Thema für Wahlwerbung." Zum Glück verfügt Beatrix Patzak über scheinbar unerschütterlichen Humor und ebensolche Energiereserven.

Sommerveranstaltungen im Narrenturm: Bis 6. August, Platzreservierungen werden empfohlen unter

T: 406 86 72, E-Mail: pat@via.at

www.narrenturm.at

Uni Campus, Spitalgasse 2

Öffnungszeiten des Museums:

Mi 15 -18 Uhr, Do 8 - 11 Uhr, jeden

1. Samstag eines Monats 10 -13 Uhr

Beatrix Patzak: Faszination und Ekel. Das Pathologisch-anatomische Bundesmuseum im Wiener Narrenturm. Verlag Stocker, Preis: 19,90 Euro, ISBN-978-3-85365-235-0