Imbiss zum Morgengrauen

- © Yantra - Fotolia
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(cai) Was ist das? Es ist weiß, besteht zur Hälfte aus Pizza und es wiehert. Hm. Wurscht. Denn das, worum es hier geht, ist sowieso die Antwort auf die Frage: Was ist rund, dampft, wenn es noch frisch ist, und in den Pferden der Spanischen Hofreitschule ist es auch drin? Richtig: Pizza. Weil wenn es der Apfel wäre, der Pferdeapfel, dann würden die weißen Pferdln doch "Liapfelner" heißen. Daraus folgt: Die Lösung des ersten Rätsels lautet: Lipizzaner.

Wow, sind das Pizzen! Durchmesser: ein Meter. Die wurden nicht gemacht, sie wurden erschaffen. Noch dazu von einem, der denselben Vornamen hat wie der Picasso: Paul. (Auf Spanisch: Pablo.) Ein wahrer "Pizzasso". Freddy Krueger ist vielleicht der beste Pizza-Imitator (sein Gesicht sieht aus wie geschmolzener Käse mit Ketchup), doch Paul Horns Pizza-Realismus ist ebenfalls ziemlich beeindruckend. Gschmackige Pizza-Fälschungen (roter Samt, Lack, Folie). Ikonen. Immerhin ist die Pizza die Hostie der modernen Küche. Nur wenn er sie statt mit Tomaten mit Primaten belegt (Menschen draufmalt), irritiert das ein bissl. Wieso soll ich wildfremde Leute andächtig antrenzen? Dann versuchen auch noch Visionäre, Diktatoren und der Papst, mein Gehirn zu waschen. Wie in einer radikaltoleranten Multireli-Kirche. Von acht Kanzeln gleichzeitig wird gepredigt. Okay, wenn Ronald Reagan russische Witze erzählt, hätt’ ich schon gern die Pointen verstanden. (Frust!) Ach, dafür sind die Kanzeln charmant improvisiert. Alter Hausrat und ein Monitor. Das ist eben noch ein Mann, der es sich selber macht. Ein Heimwerker.

Knoll Galerie Wien
(Gumpendorfer Straße 18)
Paul Horn, bis 5. November
Di. - Fr.: 13 - 19 Uhr
Sa.: 13 - 17 Uhr

Welche Muse küsst am besten? Kovacs hat alle durchprobiert. Heißt die männliche Muse Mus? Schmuser?
Welche Muse küsst am besten? Kovacs hat alle durchprobiert. Heißt die männliche Muse Mus? Schmuser?

Mit den Musen schmusen

(cai) Aha, Inspiration ist anscheinend ein anderes Wort für Mund-zu-Mund-Beatmung. Obwohl: Die Musen da haben beim Busseln eh keine geblähten Wangen. Die wollten die Künstlerin ja nur begeistern, nicht aufblasen. Ist der Picasso eigentlich von der Muse Kubis geküsst worden? Und der Otto Muehl von der Muse Aktionis (aber wohl ganz nonchalant auf den Hintern)? Die naivromantische Idee vom magischen Bussi, das die Künstler quasi erst "einschaltet", hat Brigitte Kovacs in realistischere, wirtschaftlichere Verhältnisse übersetzt. Personen aus dem Kunstbetrieb hat sie um einen Musenkuss gebeten. Fürs Foto. (Sammler, Kuratoren, Galeristen, eine Rektorin.) Sind die Musen heutzutage die Geschäftspartner der Künstler? Und ist das Projekt bloß ein billiger Trick? (Oder ein geniales Manöver?) Kovacs macht jedenfalls Werbung für sich selbst und rentable Bekanntschaften. Tja, netzwerken in der Bussi-Bussi-Gesellschaft. Die Telefonnummer für einen Musenanruf hab ich natürlich gleich ausprobiert (0699/100 611 05). Mit irgend so einer Hotline hab ich gerechnet. Dass mich eine Motivationstrainerin zu Höchstleistungen anspornen würd’. ("Du bist genial. Du bist die nächste Krystufek." - "Wer?" - "Gib’s der Leinwand, Baby!") Aber nix. Nicht einmal die Box.

Startgalerie im MUSA
(Felderstraße 6 - 8)
Brigitte Kovacs, bis 5. November
Di. - Fr.: 11 - 18 Uhr
Do.: 11 - 20 Uhr, Sa.: 11 - 16 Uhr