- © Yantra - Fotolia
© Yantra - Fotolia

Der Humor ist eine Kugel

(cai) Der Ausstellungstitel hört sich jedenfalls an wie die absolute Wahrheit (also sehr unromantisch): "Die Farbe ändert nichts an der Funktion." Na ja, ich bezweifle trotzdem, dass man aus dem Suppenteller, den der Franz Amann so schwarz verkrustet hat, noch was essen kann. (Oder will.) Ähm, wieso lehnt der Teller überhaupt unten am Sockel und steht nicht oben drauf?

a) Das nennt man Surrealismus. b) Das ist gar kein Sockel. Das ist bloß die Skulptur von einem Sockel. c) Das ist eine Falle. Und wenn sich am nächsten Tag der Teller auf dem Sockel befindet, können die Gscheiten die blöde Putzfrau auslachen (die Banausin). Oder d) Der Künstler verarscht uns. Antwort: Ich kann selber bloß raten. Also b. Ein andermal hat Amann einen Besen wie ein Gemälde eingerahmt. Erinnert in seiner Borstigkeit ein bissl an Dürers "Großes Rasenstück". (Oder: na ja.) Nur dass das ein lebensgroßes Besenstück ist.

Borstig wie die wilde Natur: Der Besen. Eingefangen von Franz Amann.
Borstig wie die wilde Natur: Der Besen. Eingefangen von Franz Amann.

In der Galerie Layr schaut’s aus, als hätte Dr. Frankenstein (dieser perverse Heimwerker) in seinem Labor abartige Kunstexperimente durchgeführt, um mit Brachialgewalt (mit Axt, Hammer, Klebstoff, einem Handtuch und Farbe) die bildende Kunst aus ihren Einzelteilen neu zu erschaffen. Oder als hätte ein Künstler in seinem Atelier die letzten Restln zusammengekratzt und sogar die Tür- und Fensterrahmen zerlegt und der Kunst geopfert. Doch wie primitiv diese Basteleien auch sind, ihre plumpe Eleganz und handfeste Ungeniertheit, das hat Charme. Und mittendrin pickt immer gern ein kitschig sympathisches apfelgroßes 3D-Smiley wie die Ironie höchstpersönlich. (Eine Keramik von Lisa Berger.) Der Horror ist vielleicht eine Kettensäge, aber der Humor ist eindeutig eine Kugel. (Wieso sollte man sich sonst zerkugeln?)

Galerie Emanul Layr
(An der Hülben 2)
Franz Amann
bis 12. November
Di. - Fr.: 12 - 18 Uhr
Sa.: 12 - 15 Uhr

Willkommen in Tschickistan!

(cai) Nicht dass sie mir leid täten, die Raucher. Aber die haben ja echt ein schweres Tschicksal, äh: Schicksal. Fanatische "Gesundmenschen", Kettennichtraucher, die demonstrativ eine nach der andern nicht rauchen, wollen sie dauernd zum Passiv-Nichtrauchen zwingen. Dann benutzt Heidi Popovic halt die Kunst als Aschenbecher. Baut in ihre computergenerierten Muster lauter (virtuelle) Zigarettenstummel ein.

Dass die einem in diesem ornamentalen Overkill nicht gleich auffallen (man sieht ja kaum die Bilder vor lauter Tapete), das macht - okay, nicht ganz so viel Spaß wie das Ostereiersuchen. Denn wirklich originell sind die Verstecke ja nicht. Jö, das Logo von "Hello Kitty" aus Tschickrestln! (Kitty - klingt eh fast wie Nikotin.) Doch immerhin hat man kleine Erfolgserlebnisse (wie wenn man eine Biene auf einem Ringelsocken findet): Oh, ein Stinkefinger! Hm. Weil das Zigarettenanzünden jetzt eine obszöne Geste ist? Oder ist der Stinkefinger das neue Victory-Zeichen? Bedeutet er hier dasselbe wie die Tschick, die überall auf der Straße liegen? ("Willkommen in Tschickistan! Eure Wir-verstecken-einfach-alle-Aschenbecher-und-kein-Schwein-raucht-mehr-Strategie hat offenbar nicht funktioniert. Ätsch!") Das beste Werk ist aber sowieso Heidi Popovic selbst. Die hat nämlich ein gewisser Christian Pölzler erfunden. Wie der Jekyll seine Heidi. (Oder seinen Hyde.) Ist ein weibliches Pseudonym eigentlich ein Feminym? Der Pölzler ist also eitler als der Felix Salten. Denn dieser hat nie zugegeben, dass in Wahrheit er die Josefine Mutzenbacher war.

Artbits Galerie
(Lindengasse 28)
Heidi Popovic
bis 12. November
Di. - Fr.: 14 - 19 Uhr
Sa.: 11 - 15 Uhr