Männer, die auf Künstler starren

- © Yantra - Fotolia
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(cai) Der eine ist sehr haarig, der andere - weniger. Und sie gehören zusammen wie Tarzan und Cheetah. Oder wie Simon and Garfield. (Tschuldigung: Lasagne und Garfield.) Nämlich Marshall und Yeti. Nicht zu verwechseln mit Reinhold und Yeti. Wobei freilich hier der Yeti (alias Gerald Plattner) der Rasiertere ist. Gemeinsam mit Ferdinand Karl, dem vollbärtigen Marshall, bedankt er sich beim Erwin ("danke! Erwin"), weil der die beiden zu einer witzigen Aktion inspiriert hat. Sie suchen nun diverse Künstler in ihren Ateliers heim und vergiften deren Haustiere. Schmarrn! Natürlich ist nicht der Erwin Schrödinger ihr Vorbild (dieser Tierquäler, der seine imaginäre Katze in die Kammer des Schreckens gesperrt hat). Sondern der Erwin Wurm. Mit seinen One-Minute-Sculptures. Der hat ja mit seinen speziellen Gebrauchsanweisungen die Leute dazu gebracht, mit Alltagsgegenständen aufs Kurioseste zu posieren. Und der Yeti hat gleich brav den Kopf ins Ewig-Weibliche gesteckt wie der Michel aus Lönneberga den seinen in die Suppenschüssel. Äh, in welches Ewig-Weibliche? Na ja, in die Damenhandtasche. (In welches sonst?) Und seither stellen sich Marshall und Yeti in fremde Ateliers hinein. Der eine mit Latzhose und Aktentasche, der andre mit dem Fotoapparat um den Hals. Harren stocksteif aus, als hätte man ihnen Respekt in den Hintern eingeflößt. Und lassen sich von den Heimgesuchten (Brus, Nitsch . . .) fotografieren. So beherrscht, wie sie dreinschauen (die haben ja schon den quantenmechanischen Blick, den Katzenkillerblick), könnte der Auftrag auch lauten: "Halte eine Minute die Luft an und denk dabei an Schrödingers Katze." (Nennt man das Apnoe-Denken?) Verkleiden sich einfach als so was wie "beamtete Touristen". Nicht unlustig.

Galerie Chobot
(Domgasse 6)
"danke! Erwin", bis 19. November
Di. - Fr.: 13 - 18 Uhr
Sa.: 11 - 16 Uhr

Das G-Pixel
existiert wirklich
(cai) Was ist ein Analphabet? Na ja, irgend so ein Perverser halt. (Weil: "anal" - pfuigack!) Sicher einer, der die Bücher am Klo liest. (Mit dem . . .) Die stark geschrumpfte Gruppe Art & Language (hm, sind zwei Personen noch eine Gruppe?) besteht aber sowieso eher aus "Malphabeten". Jedenfalls ertränken Michael Baldwin und Mel Ramsden gern Texte in ihren Malfarben. Man muss sich ziemlich anstrengen beim Entziffern. Und dann soll man das alles auch noch verstehen. (Hä? Stalin? Wieso?) Die Gemälde, die hängen hier übrigens nicht, sie sitzen. Sozusagen. Werden zu Sesseln zusammengebaut. (Eh originell.) Doch selbst so ein Popus, äh: Opus, das ans Sitzfleisch appelliert, ist kopflastig.

Marshall & Yeti haben sich

Erwin Wurms Kapperl ausgeborgt. Passt doch eh.
Marshall & Yeti haben sich
Erwin Wurms Kapperl ausgeborgt. Passt doch eh.

Einmal sitzen quasi der Malewitsch und der Jackson Pollock nebeneinander. Das muss was mit der ominösen Dialeckmich zu tun haben. (Hoppala, ein Freudscher Lapdance. Nein: Lapsus.) Mit der Dialektik, natürlich. Der eine Stuhl ist also mönchisch (voller schwarzer Quadrate, die allem Irdischen abgeschworen haben), der andre - nicht. Okay, der sieht weniger nach Action-Painting aus als nach Action-Spitting. Eine Vitrine gehört auch dazu, gefüllt mit "Genitalphabetismus" (Pornografie) und Bildchen vom weiblichen Schoß. Jö, jetzt wird Malewitschs keusches schwarzes Quadrat fast zu einem obszönen Porträt. Zum G-Pixel. (Ein Punkt ist ja in Wahrheit eckig.) Ich mag konzeptuellen Humor. (Und diese spröde Ausstellung kommt mir plötzlich besinnlich vor, seit ich weiß, dass es die allerletzte ist. Weil die Galerie Insam nach 40 Jahren zumacht.)

Galerie Grita Insam
(An der Hülben 3)
Art & Language, bis 19. November
Di. - Fr.: 12 - 18 Uhr
Sa.: 11 - 16 Uhr