Wien.

"Your Love Is King": Sade (im Bild: Sängerin Sade Adu) gastieren in der Stadthalle - mit alten Hits und neuem Material.
"Your Love Is King": Sade (im Bild: Sängerin Sade Adu) gastieren in der Stadthalle - mit alten Hits und neuem Material.
Was mit einiger Sicherheit angenommen werden darf: Das Wort "Love" wurde von niemandem häufiger in ein noch schmäleres Gesamtwerk gepackt. Sade Adu, Sängerin, Songwriterin, Mitproduzentin und optisches Aushängeschild der britischen Soul-Pop-Band Sade, die in ihrer bald 30-jährigen Geschichte bisher nur sechs Alben veröffentlichte, gilt diesbezüglich schon immer als Täterin aus Überzeugung. Lieder von "Your Love Is King" und "Love Is Stronger Than Pride" über "Lovers Rock" bis hin zu "Soldier Of Love" künden davon - einmal ganz abgesehen von der Tatsache, dass es auch dort um die Liebe geht, wo sie als Wort nicht im Titel aufscheint.

Ein Hauchen aus der Ferne


Zweisamkeit, Zärtlichkeit und Bunga Bunga: Sades früh zu Hochglanzmusik geformter Kunst zum Trotz war bereits ihr Debütalbum "Diamond Life" im Jahr 1984 keine Hollywood-Schmonzette mit Hang zum Happy End. Zu selten um ein wenig Funk verlegenem, Soft-Jazz-affinem Großstädter-Pop mit ausschweifenden Saxofon-Soli kredenzte das Quartett genau jene Dosis Weltschmerz und Herzeleid, die den Caipi gerade nicht sauer machte.

Zwar stellten auch Sade im Zeitalter des Yuppie-Pop von Wham! (Man erinnere sich: "You can have my credit card baby / But keep your red hot fingers off of my heart!") ihren "Smooth Operator" als umtriebigen Geschäftsreisenden mit Visa-Gold-Karte während einer Stehparty im Innenstadt-Loft auf eine Weise vor, die auch einen alten Dandy und Frauenversteher wie Bryan Ferry blass aussehen ließ. Anderswo allerdings verzehrten sich einsame Herzen in kalten Satin-Bettwäschen nach ein wenig Liebe, die wieder einmal unerreichbar schien. Sade untermalte diesen Umstand mit ihrer sanft gehauchten, kühlen und ebenso stoischen wie immer ein wenig distanziert klingenden Singstimme durchaus bestechend. Und sie erweist sich beim Wiederhören auch deshalb als angenehmer Gegenpol zu späteren Mainstream-Heldinnen wie Christina Aguilera, die ihre soulbeeinflussten Songs nachdrücklich anlegte und dabei, von sich selbst angetan, vor allem zu Tode brüllte.

Zeitlose Rückkehr


Sade Adu, 1959 in Nigeria geboren, später aufgewachsen in Großbritannien, für die Popstarkarriere vorgeschult mit einem Modedesign-Studium und Model-Jobs, inszenierte sich dabei als Frau-Frau, die Sinnlichkeit als Entfesselungskunst präsentierte. Die Unternehmung lief kommerziell so erfolgreich, dass nach drei Alben so weit nichts mehr erfunden oder auch nur gemacht werden musste und die Band sich wahlweise auf Live-Konzerte oder längere Erholungsphasen konzentrierte. Zwischen 1992 und 2010 sind von Sade nur drei weitere Langspieler erschienen. Darunter "Lovers Rock", mit dem die Band pünktlich zum Millennium dem Jazz-Einschlag Lebewohl sagte, das Saxofon endgültig in die Ecke stellte und es mit einem Mehr an Dub reduzierter denn je anging. Immerhin hatten sich zu diesem Zeitpunkt auch die Cocktail-Bars von wohlig-schummrigen Ledercouch-Höhlen zu kalt-sterilen, sprich hypermodernen Glas-Beton-Kobeln ernüchtert.

Nach einer anschließenden zehnjährigen Auszeit als Mutter und Familienmensch kehrte Sade mit "Soldier Of Love", das am Freitag in der Wiener Stadthalle mit dem ersten Österreichkonzert seit 28 Jahren (!) nun auch live vorgestellt werden will, erst im Vorjahr zurück. Und abgesehen von dem etwas martialisch mit Kugelhagel imitierenden E-Gitarren ins Haus fallenden Titelsong, der locker auch als Soundtrack für einen James-Bond-Film durchginge, oder dem ungewohnt countryfizierten Walzer "Be That Easy" klang dabei alles wie gehabt. Wer bleibt und "sein Ding" stur durchzieht, gilt im Showgeschäft gemeinhin als besondere Nummer, die sich längst alles leisten kann. In dieser Liga braucht Sade niemanden mehr mit großen Innovationen zu beunruhigen. Zudem wird die wahlweise in High Heels oder barfuß über die Bühne tänzelnde Sängerin in hautenger Arbeitsdress oder wallender Abendrobe mit ihren 52 Jahren noch immer mehr als fantastisch aussehen und den Lauf der Zeit auch somit Lügen strafen: Mit einem Triumph ist zu rechnen!