(cai) 1964? War das Jahr denn so toll, dass es eine eigene Ausstellung verdient? Zumindest war es sehr . . . kopflastig. Weil erstens haben mysteriöse Kopfjäger (irgendwelche Vandalen) die kleine Meerjungfrau enthauptet (das Wahrzeichen von Kropf-, äh: Kopfenhagen, nein: von Kopenhagen), zweitens waren die Pilzköpfe auf Platz eins bis fünf der US-Charts, drittens ist der Toni Polster auf die Welt gekommen (der ja ab und zu einen Fußball auf den Kopf gekriegt hat), und dann ist auch noch der Michael Breitkopf geboren worden. Bitte, wer? Na, der Gitarrist der "Toten Hosen".

Hat’s da nicht eh einmal eine Aktion vom Beuys gegeben? Ja: "Wie man den toten Hosen die Bilder erklärt." Tschuldigung: dem toten HASEN. Gut, diese legendäre Performance war erst 1965. Der Georg Kargl denkt in seiner Galerie aber sowieso mehr daran, wie sich die ganze Welt in einen New Yorker Park gezwängt und die HALBE Welt Wien besucht hat. Als nämlich in New York die Weltausstellung stattgefunden hat (diese Leistungsschau des Optimismus) und bei uns im Donaupark die Internationale Gartenschau. Keine Ahnung, wie er es geschafft hat, so viel Zeugs aufzutreiben. Souvenirs, Filme, Zeitungsausschnitte, Pläne.

Den Stadtplan vom globalen Dorf zum Beispiel. (Vom Expo-Gelände.) Und die bunten Ansichtskarten von den Blumen der Wiener Gartenausstellung liegen in märchenhafter Frische und mit ihren ungealterten Farben in einer Vitrine wie das rosige Schneewittchen, die schönste Untote der Zeichentrickgeschichte, im Glassarg. Sogar die Modelle von den Wahrzeichen der beiden Großereignisse hat der Kargl zum Herzeigen: von der "Unisphere" (diesem Riesenglobus aus Stahl, der noch heute im Flushing Meadows Park "herumkugelt") und vom Donauturm. Und dazwischen gibt’s lauter Kunstwerke mit der magischen Datierung "1964". Und ein paar Architekturmodelle.

Das nostalgische Stöbern in den Andenken an eine fortschrittsbereite Zeit, als die Zukunft noch jung und knackig war, macht sofort gute Laune. (Jetzt, wo wir alle die Krise haben. Die Wirtschaftskrise.) Auch wenn es natürlich ziemlich frustrierend ist, dass man das Stehaufmännchen vom Bruno Gironcoli nicht umhauen darf. Mist, wieso bin ich nur so wohlerzogen? Nun werd’ ich NIE erfahren, ob man diese futuristische  Kreuzung aus Punchingball und Watschenmann ECHT nicht k. o. schlagen kann. Diesen mannshohen Silber-Phallus. Weil er sich immer wieder von selber aufrichtet, bevor man bis zehn zählen kann. (He, 1964 hat sich der Cassius Clay in Muhammad Ali umbenannt! Ob das ein Zufall ist? Sicher. Was sonst? Außerdem:  Oh, hoppala! Der silberne Ständer vom Gironcoli, pardon: die "Figur, auf einem Punkt stehend", vulgo der "Stimmungsmacher", den womöglich auch nicht der Vitali Klitschko mit seiner 30-Zentimeter-Faust ausknocken könnte, widersetzt sich nicht seit 1964 der Schwerkraft, sondern seit 1965/66.)