Auch heuer feiert ein Raimund-Stück in der Inszenierung des Theatermagiers Jérôme Savary Premiere in der Sommerarena von Baden. Am Samstag, dem 28. Juli, ist es soweit. Der Vorhang hebt sich für Ferdinand Raimunds "romantisches Original-Zaubermärchen mit Gesang": "Der Bauer als Millionär" oder "Das Mädchen aus der Feenwelt", das 1826 seine Uraufführung erlebte. Die Inszenierung, eine Koproduktion von Bühne Baden und Landestheater Niederösterreich in St. Pölten, wo das Stück auch im Herbst zu sehen sein wird, ist die letzte Produktion der Ära Isabella Suppanz im Landestheater.

Jérôme Savary, der in den vergangenen zwei Sommersaisonen bereits Raimunds Stücke "Der Alpenkönig und der Menschenfeind" und "Der Verschwender" inszeniert hat, war mit Eifer auch bei der dritten Produktion bei der Sache. Mit seinen Inszenierungen des österreichischen Vormärzdichters will Savary Raimunds Werke in einen europäischen Kontext stellen - neben Molière, Ionesco oder Beckett.

Lakrimosas Zauberkraft


Am Beginn des Stücks steht ein heftigen Streit im Feenreich: Die mächtige Fee Lakrimosa (Antje Hochholdinger) hat ihre Zauberkraft eingebüßt. Sie hatte sich einst in einen Sterblichen verliebt und Tochter Lotte geboren, das "Mädchen aus der Feenwelt". Als sie mit Lotte ins Feenreich zurückkehrt, sie mit Reichtum überschüttet und sogar mit dem Sohn der Feenkönigin verheiraten will, beschließt diese, den Übermut Lakrimosas zu bestrafen.

Lakrimosa soll ihre Macht nur dann wiedererhalten, wenn ihre Tochter noch vor ihrem 18. Geburtstag einen armen Burschen heiratet. Um das zu erreichen, dient Lakrimosa dem Waldbauern Fortunatus Wurzel (Peter Faerber) Lottchen (Pippa Galli) als Ziehtochter an.

Savary bei den Wiener Festwochen

Jungstar Pippa Galli spielt in Raimunds Zaubermärchen das Lottchen. - © www.lukasbeck.com
Jungstar Pippa Galli spielt in Raimunds Zaubermärchen das Lottchen. - © www.lukasbeck.com

Regisseur Jérôme Savary (Jg. 1942), der sich nun schon zum dritten Mal von Ferdinand Raimund faszinieren ließ, war auch zuvor in unseren Breiten kein Unbekannter. Sein erstes Österreich-Gastspiel datiert Anfang der siebziger Jahre, als ihn Ulrich Baumgartner, der legendäre Intendant der Wiener Festwochen, und später übrigens Radiokritiker der "Wiener Zeitung", in das 20er-Haus mit seinem Pariser Grand Magic Circus einlud: mit der spektakelhaften Inszenierung "Robinson Crusoe", die mit einem veritablen Feuerwerk und Feuerschluckern auf der Straße beendet wurde. Theater, wie es Wien damals noch nicht gesehen hatte. Dass sich Savary heute noch daran erinnert, mag für die freudige Aufnahme sprechen, die ihm das Wiener Publikum bereitet hatte. Später folgten hierzulande unter anderem seine unvergessliche Inszenierung von Mozarts "Zauberflöte" auf der Bregenzer Seebühne Mitte der achtziger Jahre oder einige Jahre danach in der Wiener Volksoper "Die lustige Witwe".