"Hat Madame noch irgendeinen Wunsch?" fragt der Herr vom Bordservice im Zug, obwohl ich ihm kurz zuvor bereits ein Kaltgetränk um 2,90 Euro abgekauft hatte. "Ich bin jetzt länger nicht da", schickt er noch hinterher. Ich lehne dankend ab. "Wunschlos glücklich?" "Na ja…", antworte ich leise und entlasse Monsieur mitsamt seinem Trolley ins weitere Verkaufsabenteuer an Bord des Intercity 944. Ausgerechnet Madame hatte er mich genannt. In Frankreich wäre er damit goldrichtig gelegen. Mit Madame statt Mademoiselle nämlich. Gerade eben hatte ich eine Glosse genau darüber gelesen. Das Mademoiselle wird dort abgeschafft. Alle Frauen, Fräuleins und großen Mädchen heißen fortan nur noch Madame.

In Österreich hat das Fräulein schon längst ausgedient. Na ja, theoretisch zumindest. Ich will nicht ausschließen, dass ich im Kaffeehaus (auch nach Ende der Fräulein-Ära) schon nach dem Fräulein gerufen habe. Wie sollte man die Kellnerin auch sonst herbeirufen? "Frau Ober(in)", "Bedienung, bitte!", oder ein völlig unpersönliches "Tschuldigung!"? Was wäre gerade in der Wiener Kaffeehauskultur mit seinen Melangen und Baisers passender als "Madame"?