Ich bin ja eigentlich keine Freundin der Zahlen. Doch manchmal, da sprechen sie einfach für sich: Laut Caritas gibt es in der 1,7 Millionen-Stadt Wien 4000 Schlafplätze. Mit dem Flugzeug 90 Minuten entfernt liegt Chisinau.

Chisinau ist die Hauptstadt Moldawiens, und Moldawien ist laut Human Development Index des UNDP das ärmste Land Europas (Platz 111). In der Stadt leben 712.000 Menschen, und hier stehen gerade einmal 100 Schlafplätze für Obdachlose zur Verfügung - mindestens 300 weitere wären notwendig. Dabei hört man hier überall, dass die Lebensumstände in der Stadt noch gut seien - am Land, heißt es, da seien die Menschen bitterarm. Sie leben dort ohne Heizung und ohne medizinische Versorgung.

Die Lebenserwartung in Moldawien ist mehr als zehn Jahre geringer als bei uns (65 Jahre in Moldawien, 78,5 Jahre in Österreich). 22 von 100.000 Müttern sterben bei der Geburt ihres Kindes (in Österreich sind es 4). 90 Prozent der Einwohner leben unter der Armutsgrenze, 25 Prozent der Menschen zwischen 20 und 60 Jahren haben das Land bereits verlassen.

Oft sind es Frauen, die in Westeuropa Geld verdienen und ihren zurückgelassenen Familien Geld schicken: Mindestens 30 Prozent des Landeseinkommens soll aus dem Ausland kommen. Das wiederum hat ein neues Phänomen zur Folge: Kinder, die sich in ihrer Verzweiflung das Leben nehmen. Dass dies immer öfter passiert, bestätigt auch das moldauische Sozialministerium - doch Zahlen dazu wollte es keines nennen.