Caracas. Der venezolanische Parlamentspräsident Juan Guaido hat sich zum "amtierenden Präsidenten" des südamerikanischen Landes erklärt. Vor dem allmächtigen Gott gelobe ich, die Kompetenzen der Exekutive als Interims-Präsident von Venezuela zu übernehmen", sagte Juan Guaido am Mittwoch bei einer Kundgebung vor hunderttausenden Anhängern in der Hauptstadt Caracas.

"Lasst uns alle schwören, dass wir nicht ruhen, bis wir die Freiheit erlangt haben. Ich schwöre, offiziell die nationale Exekutivgewalt als amtierender Präsident von Venezuela zu übernehmen, um die Usurpation zu beenden, eine Übergangsregierung (einzusetzen) und freie Wahlen abzuhalten", sagte Guaido. Er war Anfang Jänner zum Präsidenten des von der Opposition dominierten und von Maduro entmachteten Parlaments gewählt worden.

"Alle Optionen
sind auf dem Tisch"


US-Präsident Donald Trump anerkannte Guaido als rechtmäßigen Übergangspräsidenten des südamerikanischen Landes. Das teilte das Weiße Haus am Mittwoch mit. Die Trump-Regierung hatte zuletzt den Kurs gegen Maduro verschärft. Bereits im August 2017 hatte Trump gesagt: "Wir haben viele Optionen für Venezuela, einschließlich einer militärischen, falls nötig." Im vergangenen November hatte Trumps Nationaler Sicherheitsberater John Bolton ein härteres Vorgehen gegen Venezuela, aber auch gegen Nicaragua und Kuba angekündigt.

Die US-Regierung hat Maduro zu einer friedlichen Machtübergabe aufgefordert und andernfalls mit scharfen Konsequenzen gedroht. "Alle Optionen sind auf dem Tisch", wiederholte ein hochrangiger Regierungsvertreter am Mittwoch in Washington.

Das gelte ganz besonders für den Fall, sollte Maduro gegen Mitglieder des entmachteten Parlaments vorgehen. Auch Brasilien, Paraguay und Kolumbien haben den venezolanischen Parlamentschef Juan Guaido als Übergangspräsidenten anerkannt. Mexikos Regierung hält hingegen an der Präsidentschaft von Maduro fest.

Die regierenden Sozialisten riefen noch am Mittwoch zur Verteidigung von Maduro auf. Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Gummigeschoße gegen Anhänger von Juan Guaido ein.

Der 23. Jänner ist in Venezuela ein historisches Datum. Vor 61 Jahren endete an diesem Tag die Herrschaft des Diktators Marcos Pérez Jiménez, der das Land sechs Jahre im eisernen Griff gehalten hatte.