Paris. Was tun mit der "Wolfsschlucht II"? Das frühere Hauptquartier von Adolf Hitler bei Soissons in Nordfrankreich bereitet den umliegenden Gemeinden Kopfschmerzen. Mitten in der weitläufigen Anlage mit 450 Bunkern und anderen Betongebäuden steht der sogenannte "Führerbunker".

Dort beriet Hitler am 17. Juni 1944 mit seinen Offizieren über die Folgen der Alliierten-Landung in der Normandie elf Tage zuvor. Zum 75. Jahrestag des D-Days ist die Zukunft der Anlage ungeklärt.

Zerstören lassen sich die massiven Betonbauten auf dem sechs Kilometer langen Gelände nicht ohne Weiteres. Deshalb suchen die umliegenden Gemeinden nach einer Nutzungsmöglichkeit. "Wir haben über die Ansiedlung von Unternehmen nachgedacht", sagt Bruno Marcellin, Bürgermeister des Ortes Margival. Das Vorhaben sei wegen des großen Widerstands aber abgeblasen worden. "Der Name Hitler vertreibt viele", sagt er zu möglichen Investoren.

Anlage noch weitgehend intakt

Dafür aber zieht er Touristen an, auch aus Deutschland. Darunter sind nicht nur Unverbesserliche, sondern auch Menschen, die sich über die Geschichte des Zweiten Weltkriegs informieren wollen. Um sie kümmert sich der Verein ASW2, der kostenlose Führungen auf dem Gelände anbietet. Mehrere tausend Menschen kämen pro Jahr, berichtet Vereinsmitglied Eric Trinon.

Schließlich ist die festungsartige Anlage die einzige noch weitgehend intakte unter den Hauptquartieren Hitlers in Europa - von der "Wolfsschlucht I" in dem belgischen Ort Brûly-de-Pesche ist nur ein Bunker erhalten.

"Hitler ist ein einziges Mal hier gewesen", berichtet Trinon. Er kam gegen acht Uhr morgens am 17. Juni 1944 an, um in der Bunkeranlage mit den Generalfeldmarschällen Erwin Rommel und Gerd von Rundstedt über das Vorrücken der Alliierten zu beraten - "und vor allem: um sie anzuschreien", wie Trinon sagt.

Die Gemeinde hat in erster Linie Kosten

Wer in das Labyrinth aus schweren Stahltüren und Beton vordringt - 265.000 Kubikmeter mussten Zwangsarbeiter in der "Wolfsschlucht II" verbauen - kann sich den Besprechungssaal und den Schreibtisch anschauen, an dem Hitler vermutlich saß. Erhalten ist auch ein Waschraum mit einer Badewanne.

Seit zehn Jahren finden auf dem Gelände Schulungen für französische Gendarmen und Feuerwehrleute statt. Auch die NATO zeigte sich von der Geschichte der Bunkeranlage unbeeindruckt und errichtete hier von 1952 bis 1956 einen Kommandoposten mit rund 1500 Soldaten. Während der Kuba-Krise zwischen den USA und der Sowjetunion erwog die Allianz sogar, ihr Hauptquartier hierhin zu verlegen. Später nutzte die französische Armee das Gelände.

Im Jahr 2000 wurde die Anlage dann an die umliegenden Gemeinden verkauft. Für sie bedeutet das vor allem Kosten, wie der Bürgermeister von Margival sagt: "3000 Euro pro Jahr sind zur Absicherung der Anlage nötig", betont Marcellin. Nach seinen Worten werden die Gemeinden deshalb auch weiter nach Wegen suchen, das frühere Nazi-Hauptquartier zu nutzen. (apa, afp, Dominique Charton)