Wien/Portsmouth/Caen. Die Normandie und die englische Südküste sind im D-Day-Fieber. Vor 75 Jahren landeten rund 150.000 alliierte Soldaten in Frankreich und versetzten Nazi-Deutschland damit militärisch den Todesstoß. Am heutigen Donnerstag wird der historischen Ereignisse in Nordfrankreich gedacht, US-Präsident Donald Trump besucht einen Soldatenfriedhof, die letzten noch lebenden Veteranen und Politprominenz aus ganz Europa geben sich ein Stelldichein.

Bereits am Mittwoch wurde im südenglischen Portsmouth der Ereignisse gedacht - von dort nahm am 5. Juni 1944 das "Unternehmen Overlord" seinen Ausgang. Bei einer feierlichen Zeremonie mit Militärparaden waren Queen Elizabeth II., US-Präsident Donald Trump mit Gattin Melania, die scheidende britische Premierministerin Theresa May, Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron und Kanadas Premier Justin Trudeau zugegen.

Das 75-Jahr-Jubiläum ist das letzte "runde", an dem noch Kriegsveteranen in größerer Zahl teilnehmen. Deshalb sind die Feierlichkeiten heuer umfangreicher denn je. Laut britischer Regierung wurde den Besuchern am Mittwoch das "größte britische Militärspektakel der jüngeren Geschichte" geboten. In der Tat marschierten unzählige Soldaten auf, Militärflugzeuge donnerten über die Köpfe des Publikums, Kriegsschiffe lagen an den Docks vor Anker.

"Unvergesslicher Heldenmut"

Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten standen rund 300 Veteranen, alle in Uniformen und mit Orden behangen. Als einige von ihnen die riesige Bühne betraten, brandete Beifall auf. Auch die Queen, die sich mit ihren 93 Jahren als eine der wenigen selbst an den Zweiten Weltkrieg erinnern kann, erhob sich von ihrem Platz. "Die Kriegsgeneration - meine Generation - hat einiges an Widerstandskraft unter Beweis gestellt und es ist mir eine große Ehre, heute mit Ihnen hier in Portsmouth zu sein", so die Queen in ihrer Ansprache. "Der Heldenmut derer, die damals ihr Leben gelassen haben, wird nie vergessen werden."

Während des Zweiten Weltkriegs war Elizabeth noch Prinzessin gewesen und gemeinsam mit der königlichen Familie ein Symbol britischen Widerstandsgeistes. Sie wurde in der Armee zur Lastwagenfahrerin und -mechanikerin ausgebildet.

Bei den Feiern am Mittwoch in Portsmouth kamen Tagebucheinträge aus 1944 zum Vortrag, es lasen unter anderen May, Trudeau und Macron. US-Präsident Trump sprach ein Gebet.

"Wir hatten damals alle unseren Teil beizutragen. Ich jedenfalls war nicht nervös", erinnerte sich der Veteran Bert Edwards an die Ereignisse vor 75 Jahren. Er sei heute ein wenig stolz, damals dabei gewesen zu sein.